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"Meine Geschichte der DDR" das ist ein Jahrhundert - Leben zwischen den Welten, eine Biografie als Spiegelbild der Geschichte. Wolfgang Leonhard, nun 86, Autor des Bestsellers "Die Revolution entläßt ihre Kinder" hat noch einmal Bilanz gezogen - der alte Mann mit der Löwenmähne, der großartige Retheoriker, der Publizist beschreibt die Verwerfungen deutscher Geschichte aus der Sicht eines politischen Aktivisten des Kommunismus in Moskau und nach 1945 in Ostdeutschland, Angehöriger der Gruppe Ulbricht und Spitzenfunktionär der KPD, der mit dem Stalinismus brach, zum Feind der DDR erklärt wurde und Kommentator der Ost - West - Beziehungen beider deutscher Staaten war, Beobachter mit einem Ost-West-Leben. Ein spannendes Buch, in dem deutsche und europäische Ereignisse zwischen den dreißiger und den neunziger Jahren Revue passieren. Dabei sind besonders seine Einschätzungen zum Ende der DDR interessant, deren Zusammenbruch ihre Ursachen weit zurückliegen und bereits mit der Etablierung und Erstarrung des SED-Parteiapparats begann und deren Erosion ihre Gründe in den Ereignissen in Ungarn, in der CSSR und vor allem mit der Gründung der unabhängigen Gewerkschaft in Polen hatte. Leonhard sieht die Haltung der SPD in den Beziehungen zur DDR - Führung als problematisch stabilisierend und die Nichtbeachtung der Opposition als einen großen Fehler an. Er erkannte weit früher als die SPD - Genossen und schrieb darüber, dass die SED in ihrer politischen Sturheit gegenüber der neuen Kreml - Führung unter Gorbatschow Möglichkeiten zu einer Veränderung verpasste. Unerwähnt bleiben dabei die Häutungen der SED über die PDS zur Linken, die nun als Wolf im Schafspelz agieren kann und längst politische Entscheidungen im neuen Deutschland mit bestimmt. Nach dem Ende der DDR begegnet er alten SED - Männern wie Paul Wandel , Hermann Axen, dem eitel uneinsichtigen Markus Wolf , Egon Krenz, dessen Ernsthaftigkeit ihn erstaunte, und Günter Schabowski, der wohl als einziger klar erkannte und ausdrückte, daß dieser Staat nicht zu retten war. Die schnelle Einheit Deutschlands hält Leonhard für einen Fehler - auch wenn seine Ideen einer parallelen gesellschaftlichen Entwicklung von zwei Staaten von der Realität weit entfernt waren. Ein Makel : der Autor verwendet zum Ende seiner politischen Bilanz trotz der Berücksichtigung der großen Verdienste der Oppositionsbewegung in der DDR und der Montagsdemonstrationen immer wieder das Wort von der "Wende", jene Vokabel die von Egon Krenz als Möglichkeit einer Rettung der SED erfunden, in den Sprachgebrauch Eingang gefunden hat. Leonhard weiß dabei - es war eine einzigartige Revolution, das Ende der DDR - und die Einheit. Empfehlenswert !
Dieter Bub
Wolfgang Leonhard: Meine Geschichte der DDR / rowohlt Berlin
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