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Zemlinsky : Der Traumgörge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dieter Bub   
Freitag, 1. Juni 2007

Ein beeindruckendes musikalisches Erlebnis - eine spätromantische, filigrane Klangschönheit , eine wahre Entdeckung. Die Deutsche Oper an der Bismarckstrasse setzt unter ihrer Intendantin Kirstin Harms ihre Spurensuche nachz vergessenen oder wenig beachteten Komponisten des 19. / 20. Jahrhunderts fort. Mit "Der Traumgörge" von Alexander Zemlinsky ist dabei dem Haus an der Bismarckstrasse ein wirklicher  Erfolg beschieden worden, der vor allem der musikalischen Leitung von Jaques Lacombe zu danken ist, der das Orchester zu einer seit langem nicht so hohen Differenziertheit und expressiven Farbenpracht, bringt  fabelhaft dazu der Chor, expressiv und innig. Schließlich eine Ensembleleistung bester Güte, nahezu  ohne auswärtige Hilfe aus dem eigenen Haus besetzt, alle staunens - und hörenswert. Nein, für solche Produktion fänden sich keine der herumreisenden Stars mit ihrem Dauer - Repertoire. Einzig  Steve Davislim wurde für die Titelrolle verpflichtet - ein Glücksfall. Eleonora Büning  vertritt in ihrer FAZ - Besprechung die Meinung, diese hinreißend gelungene  Komposition könne heute volle Häuser bringen wie die Wagner und Strauß-Opern auch, wäre sie nicht so lange vergessen gewesen oder auch wäre Zemlinsky nicht Jude sondern ein bekennender Deutscher, mehr noch, wie Richsard Strauß gewesen.
Schwierig wäre der Erfolg  mit einem Bühnenbild, das trotz mancher Lichteffekte größte Anstrengungen der Deutung notwendig macht. Der Zuschauer erlebt dieses Traumspiel eines Weltfremden in der Abgeschiedenheit und Einbetoniertheit eines U - Bahnhofs oder Kaufhauses. Hier verfasst der Görge, ein Schriftsteller, seine Werke, von hier aus entfernt er sich, dire wahre Welt, das wirkliche Leben  zu entdecken, hier sehen wir ihn als Penner, der seine Traumfrau , auch sie sozial abgestürzt, wiederfindet, hier wird er - der Verlorene - zum Anführer einer Revolution auserkoren - eine Rolle, die er verweigert und hier schließlich wird er als Erbe einer Mühle gefeiert, der seinen Untertanen Wohlstand und schönes Leben gewährt. Diese Dorfbewohner sollen aber in ihrem uniformem Auftreten Mitglieder einer Sekte sein, die sich zum Schluß alle im Massen - Suizid vereinen. Nachdem Görge und seine Traumfrau sich vor geschlossenem Vorhang  viel Liebes erklären, haben wir am Ende ein Todeslager vor uns. Da bleibt viel Platz für Spekulationen, die Zemlinsky sicher nicht im Sinne hatte. Joachim Schloemer als Regisseur und Jens Kilian als sein Ausstatter meinten die Veränderbarkeit der Nutzung von Orten, wie bei einem Bunker neben dem Deutschen Theater, zeigen zu wollen - dazu die Verfremdung der Geschichte bis zu neuer Deutung ?

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 1. Juni 2007 )
 
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