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Alles "Daddy Cool" oder was? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Tobias Körner   
Donnerstag, 31. Mai 2007

Berlin, 30.05., 30 Grad im Schatten, Wind von vorne in die Augen. So kommt es einem vor, wenn man das Zelt des "Boney M. Theaterpalastes" betritt. Die von Produzent Frank Farian zusammengezimmerte "neue" Show der alten Kamellen von Boney M. (man fühle sich an Disco-Zeit, Glitzerfummel und Matten auf dem Kopf erinnert) gastiert mit der Original-Besetzung in Berlin am Ostbahnhof.
Erzählt wird die Geschichte des kleinen Sunny, der in Trinidad bei seiner Oma Ella wohnt und im jungen Alter von seiner Mutter Pearl Chambers nach London geholt wird. Dort angekommen führt er seine Leidenschaft für Musik fort. In der Gegenwart ist Sunny fast 20 und Mitglied der "Subsonics", einer Crew, die Musik macht. Doch die "Blades", die Gang um Sohnemann von Ma Baker fordert Sunny und seine Gang zu einem Duell heraus - einem musikalischen, wie Tonstudio-Besitzer Rasputine fordert. In der Zwischenzeit stellt sich heraus, dass Sunnys Vater der berühmte Tänzer Jonny Cool war, der Pearl schwängerte, aber dann von Ma Baker - ebenfalls heiße Disco-Queen - abgeworben wurde und Pearl Sunny alleine austrug. Aus diesem Grund ist mit den beiden "Desperate Housewives" nicht gut Kirschen essen. Sunny verliebt sich unterdessen in Ma's Tochter Rose, die Freundin von Ma's Sohnemann Benny läuft weg, die er zusammen mit seiner Gang (auch alles Söhne von ihr, denn Ma Baker hat ein gebärfreudiges Becken) einschüchtert und dann kommt es im zweiten Akt zur Schießerei nach dem Musikduell, wo ein Freund von Sunny niedergeschossen wird, dann Sunny (unlogischerweise) verknackt wird (ohne dass ein Verfahren stattfindet), aber wieder rauskommt und so doch zum Karneval mit Rose nach Trinidad kommt.
Hat das jetzt jeder verstanden?
Naja, auch nicht schlimm. Man fühlt sich hier und da auch an "Romeo und Julia" erinnert. Die Musik ist das einzig Gute an dem Musical. Wenn auch nicht immer, denn der Teil aus Hip Hop und Rap überwiegt und verschandelt die großen Hits von Boney M. Der erste Akt war ja noch verständlich, dann kam die Pause. Um es bildlich zu machen: Ich gehe mit 500 Besuchern - wie man das so macht - aus dem Saal. Stelle mich an. Hole mir was zu trinken. Doch gerade, als ich mein Bier in der Hand hatte (und das 3 Minuten nach Pausenbeginn) klingelt es schon wieder. Ich spüle also mein Bier die Kehle herunter - die Leber freut sich und jauchzt. Da klingelt es schon wieder. Man kann es auch so ausdrücken: Die Zeit reicht, um auf Toilette zu gehen, aber nicht mehr dazu, alles ordentlich wieder wegzupacken und sich die Hände zu waschen. Da klatscht man eben nachher intensiver und umarmt seinen Nachbarn gern.
Wir schweifen aus, zurück zum Thema: der zweite Akt zeigt umso mehr die leicht amateurhafte Aufführung, als eine der Hauptdarstellerinnen den (nicht wirklich schweren) Text vergisst, eine andere den Ton nicht trifft und das ganze Publikum zusammenschreit und dem bösen Benny das Mikro aus der Tasche fällt. Erst als die Zugabe gegeben wird, beginnt mir das Stück zu gefallen. Denn hier kommt wieder die überdimensionale Diskokugel aus der Requistenkiste und die besten Boney M. Stücke werden ohne jegliche Textänderungen getanzt und gesungen. Da klatsche ich dann auch gerne mit.
Aber zum Glück waren die Karten für uns kostenlos, denn die 90 Euro wären zuviel für ein Portemonnaie eines Normalbürgers.

23.04. bis 24.06.2007
Boney M. Theaterpalast am Ostbahnhof
www.daddycool-musical.de

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 31. Mai 2007 )
 
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