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Diese erste deutsche romantische Oper, nach den Wirren des dreißigjährigen Krieges, wird in dieser Inszenierung in einem merkwürdigen Raum vorgeführt – in einem mit vielerlei Sitzgelegenheiten der fünfziger und sechziger Jahre zugemöbeltem Saal unter Kronleuchtern, einem Sandsack, mit einem Aquarium. Das also zu Beginn die Waldschänke! Das Personal – die Jägerleute mit ihren Frauen – sind am Anfang alle stark angetrunken. Sie saufen was das Zeug hält, versuchen sich in einer Polonaise, torkeln herum. Keine Spur von Romantik, von Märchen, Naivität. Nix Wald, nix Wolfsschlucht. Aber auch nichts von gesellschaftlichen Veränderungen, von Umbruch und Aufbruch. Geht ja auch nicht, in dieser Zeit, werden sich Regisseur Alexander von Pfeil und Bühnenbildner Bernd Damovsky gesagt haben. Das Ergebnis ist entsprechend – von dieser Oper weit entfernt. Es ist die fatale Einstellung neue Bilder und Situationen schaffen zu müssen, so wie Turandot vor Jahren in der Oper unter den Linden erst als Handy-Porträt erschien und in einer Neubauwohnung endete oder wie die Lustige Witwe sich am Südpol amüsieren und emanzipieren musste. Zurück zum neuen Freischütz:
Wenn es die Absicht gewesen sein sollte den Sprung in die Sechziger zu wagen – also Jägersleute Jahrhunderte später vorzuführen, wären Studien vor Ort auch gegenwärtig von Nutzen gewesen, vielleicht auch beim größten Schützenfest der Welt in Hannover.
Mit solcher Ausstattung wie an der Bismarckstrasse , bei der das einzig Bedrohliche die Beschwörung Samuels und das Gießen der Freikugeln ist, bei der wir uns zum Schluss in einer Art Wildschlachthaus wieder finden, bleibt die Atmosphäre auf der Strecke. Verstärkt wurde diese Enttäuschung durch eine verfehlte musikalische Darbietung – Renato Palumbo ist auf der Suche nach der deutschen romantischen Musiksprache – die Ouvertüre spannungsarm, später die Musik zerfasert und der Jägerchor desaströs im Zusammenklang mit dem Orchester – quittiert mit einem ordentlichen Buh-Konzert. Da fällt es gar nicht weiter auf, dass der weise, verehrte Eremit daherkommt wie ein junger evangelischer Bischof Huber.
Lohnend und eindrucksvoll trotz allem die Solisten – Will Hartmann als ein frischer Max , dessen Stimme sich noch weiter entwickeln wird, Cecile des Boever als sehr präsentes Aennchen und vor allem Michaela Kaune, die in der Premiere kurzfristig die Rolle der Agathe übernommen hatte – für sie großer Jubel – für das Leitungsteam kräftige Entrüstung. Ein Trost: Nach dem Jubel der Uraufführung hat es in Berlin, wie in einem Begleitzettel vermerkt, bereits eine Reihe enttäuschender Freischütz-Inszenierungen gegeben. Auch das ist eine Form der Tradition.
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