Das Ensemble auf der Berliner Museumsinsel ist komplett. Nach 6-jähriger Renovierung wurde das Bode-Museum am 19. Oktober der Öffentlichkeit übergeben. Markiert doch die Nationalgalerie den eigentlichen Anfang der Museumsinsel, krönt das Bode-Museum nun den nicht weniger spektakulären nördlichen Abschluss. Neben Anfang und Ende verbindet die beiden Häuser ihr unschätzbar kostbares Inneres. Es sind die beiden großen nichtarchäologischen Sammlungen, die den Verpflichtungen der Museumsinsel als UNESCO Weltkulturerbe jetzt gemeinsam nachkommen.
Eine tragende Voraussetzung für diese Auszeichnung spielte der frühere Generaldirektor Richard Schöne, der 1882 gegen Wilhelm Bode anordnete, dass alle „Sammlungen der großen Kunst“ auf der Insel vereint bleiben. Bode, ein emsig erwerbender Dirktor von Skulpturen- und der Gemäldegalerie wollte doch viel lieber ein neues Gebäude außerhalb der Museumsinsel erbaut wissen. Doch Schöne blieb hart und untersagte ihm das Auseinanderreißen der Alten Meister.
Bode bekam zwar sein neues Gebäude für die gesamte nachantike Kunst, jedoch - oder besser zum Glück - auf der Museumsinsel. Ein Ausstellungs-Ort für die Malerei und Skulptur von Byzanz über das Mittelalter, Renaissance und Barock bis zum späten 18. Jahrhundert. „Für jene Kunst also, die wir von unserer Gegenwart zurückschauend als die Alten Meister bezeichnen, die aber von der Antike aus betrachtet stets die Kunst der Neuzeit ist, die ihre Fortsetzung dann in der Kunst der Gegenwart in der Nationalgalerie hat “sagt der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Bode erwies sich so als eigentlicher Vollender der Museumsinsel ganz im Sinne seines Gegners Schöne.
Die Wiedereröffnung hauchte so der Museumsidee von der kontinuierlichen europäischen Kunstgeschichte, das zentrale Thema aller verschiedenen Häuser auf der Insel, erneut frisches Leben ein.
Glanzvoll anschaulich zeigt das Bode-Museum die Epoche deutscher Geschichte. Wahrlich erinnert das Gebäude weniger an ein Museum. Vielmehr war und ist der Neobarocke Bau das Kunstschloss der Hohenzollern. Erbaut von 1889 bis 1904 mit schwierigsten Gründungsproblemen im Wasser ist es ein Werk des Hofarchitekten Ernst Eberhard von Ihne unter persönlicher künstlerischer Anteilnahme des Kaisers Wilhelm II. Die Huldigung auf die Hohenzollern spürt man ebenso bei der Begegnung einer Kopie von Schlüters Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten im Zentrum der Eingangshalle. Weiterhin ist auch der Einfluss von Michelangelos Architektur in Florenz deutlich erkennbar.
Florenz als die Geburtsstadt der Renaissance hat Bode das Herzstück seines Museums vorbehalten. Eine Basilika, errichtet nach dem Vorbild von San Francesco al Monte in Florenz bildet das Bedeutungszentrum des Bode-Museums.
Florenz und die Renaissance als Wiedergeburt der Künste und damit verbunden die Befreiung des Menschen durch die Künste und Wissenschaften zum selbstbewussten Individuum der Neuzeit. Diesen Renaissancekult hat Bode in seiner Basilika durch eine Komposition aus Skulpturen, Gemälden und Möbeln des 15./ 16. Jahrhunderts kunstvoll inszeniert. Zugleich ist die Basilika eine Ruhmeshalle an die Berliner Kunstmäzene, die häufig aus dem jüdischen Großbürgertum stammten. Der wohl bekannteste - James Simon, dessen Büste heute gleich neben der von Wilhelm von Bode einen Platz auf der Empore der Basilika gefunden hat.
Die Sammelleidenschaft im großen Stil als Verdienst des Deutschen Kaiserreiches wird in den 66 Sälen des Bode-Museums sichtbar. So beherbergt das Gebäude 1.700 Skulpturen und Kleinstplastiken. Ergänzt wird die umfangreichste Skulpturensammlung durch 150 Werke aus der Gemäldegalerie. Außerdem hat die Öffentlichkeit nun Zutritt zu 4.000 Münzen und Medaillen aus dem Preußischen Münzkabinett.
Zutritt gewährt das Bode-Museum täglich 10-18 Uhr, donnerstags 10-22 Uhr
Weitere Informationen unter:
www.smb.spk-berlin.de
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