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Gerhard Schröder: Entscheidungen – Mein Leben in der Politik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Kulturinfo-Team   
Freitag, 5. Januar 2007
Dies ist ein Werk für alle Gerhard Schröder-Fans (davon soll es noch viele geben), für alle Gerhard Schröder-Kritiker (das sind nicht wenige), für alle Mitglieder der SPD (das sind viele), für alle zukünftigen Politkarrieristen, für alle Machtmenschen und Machos – und damit ist eine hohe Auflage gesichert.

Die Entscheidungen des Gerhard Schröder sind ein 550 Seiten-Werk, das großzügig ausgestattet, bei größtmöglicher Papierverschwendung auch auf der Hälfte Platz gefunden hätte.

Wer sich wirklich die Zeit nimmt dieses Buch zu lesen und zu sehen – denn besonders wichtig sind Aufnahmen, die ihn mit den bedeutenden Mitmenschen in Deutschland und der Welt zeigen, nur einmal mit Georg W. Bush, aber dafür immer wieder mit dem Kumpel Wladimir Putin – wer sich also diese Zeit nimmt, dem wird ein Paradebeispiel von Selbstwert, Kraft und Eigendarstellung vorgeführt.

Das ganze Werk ist Pose, wie das Titelbild. Und das ganze Werk ist von der unübertroffenen Selbstgefälligkeit eines kleinen Mannes aus der deutschen Provinz, der Karriere gemacht hat in der – und mit der – deutschen Sozialdemokratie. Die Mitstreiter werden gelobt, die Abtrünnigen abgestraft – Oskar Lafontaine habe seinen Laden wohl nicht ganz im Griff gehabt, wohl deshalb, weil er, der Kanzler, sich intensiv der Außenpolitik gewidmet habe. Und so weiter. Aber sonst war alles Paletti, der Müntefering ein Supertyp, der Joschka ein guter Partner, Schily außerordentlich sensibel, der Putin ein sehr religiöser Mensch und toller Gastgeber.

Es gibt zwei verblüffende Parallelen zu anderen Biografien: zu Dieter Bohlen – auch er hat seine Geschichte aufschreiben lassen, war dreimal verheiratet (bisher) und ist von größter Eitelkeit, und zu Erich Honecker, der auch eher schreiben ließ als geschrieben hätte, aus der deutschen Provinz kommt - sich aber nun wirklich nicht ins rechte Licht zu setzen verstand und halt – hier liegt der Unterschied – dessen ( Honeckers ) Memoiren auf russisch und chinesisch erschienen sind, was bei Schröder eher nicht zu befürchten ist, weil es nicht bezahlt wird. Aber was zu erwarten war - was eigentlich in den Reißwolf gehört, steht vom ersten Tag an der Spitze der Bestsellerlisten. PR ist halt alles - damit lassen sich Cola, Hamburger und eben auch Schröder- und Bohlen - Biografien verwursten.

Wir vermuten – den Vorfahren Schröders – Willy Brandt, würde es grauen – und Helmut Schmidt wäre es niemals in den Sinn gekommen, sich selbst so zu feiern. Vor kurzem erst in Gespräch mit Beckmann meinte er, Biografien seien doch nicht der richtige Weg sich zu äußern – stattdessen gibt es ein bemerkenswertes Buch Helmut Schmidts über China.

Wir erfreuen uns stattdessen an Gerhard Schröders Entscheidungen – für Gasprom, den Regnier-Verlag und zu einem Werbespot für die Bildzeitung, in der er für sein Buch wirbt, weil die Bildzeitung Ausschnitte aus seinem Buch abdruckt. Vielleicht wäre der Genosse Schröder auch zur Werbung für Goldwell zu gewinnen, so what, Gerd! Basta! Wir kaufen die Politschmonzette, weil sie zeigt, wie das geht, wenn einer nach oben will, nach oben kommt, oben ist und den Absturz bis heute nicht verwunden hat.

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 2. Februar 2007 )
 
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