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Das Buch, so heißt es, sei eine Streitschrift. Gut so, denn darüber läßt sich trefflich streiten. Der langjährige Leiter von Salem am Bodensee ( von 1974 bis 2005 ) schildert seine Erfahrungen in der Edel - Internatsschule, in der die Kinder aus vermögenden Familien den Schliff fürs Leben bekommen sollten, nicht selten waren es scheinbar hofflungslose Fälle verzogener Gören, deren Eltern sich zu wenig um ihren Nachwuchs kümmern konnten, weil sie ihre Verpflichtungen in der Gesellschsft hatten. Es sind und waren Kinder, die wie in anderen Edel-Internaten, zum Beispiel Luisenlund, von zu Hause aus Chauffeure, Gärtner, Köche und anderes Personal gewohnt sind. Die Erfahrungen des Bernhard Bueb beziehen sich also auf seine Zöglinge, die in Salem begreifen mussten, daß es auch andere Formen von Leben und Lebensgemeinschaft geben kann. So ist bei ihm zu lesen : "Da wir Erziehenden als Kinder unserer deutschen pädagogischen Kultur Strenge, Härte, Disziplin und Verzicht nicht selbstverständlich als Mittel der Erziehung praktizieren und oft sogar ablehnen, wachsen die Kinder ohne pädagogische Konflikte auf, also ohne Konflikte, die durch Forderungen nach Disziplin entstehen." Das bedeutet, die Forderungen der Pädagogik sind Gesetz, sie in Frage zu stellen ist Frevel. Allein das zeugt von einem inakzaptablen Dünkel des Rektors vom Bodensee. Er fordert Unterwerfung unter Autorität, wie sie so erfolgreich auch in England praktiziert werde. Disziplin wirke heilend.
"Kinder verwahrlosen aus unterschiedlichen Gründen. Der Mangel an Liebe und Zuwendung, fehlende, gleichgültige, autoritäre, alkohol - oder drogenabhängige Eltern, desolate soziale Ursachen sind die klassischen Ursachen, warum Kinder zu allen Zeiten liebes - und arbeitsunfähig wurden." Ach ja? Kennt Bueb die Realität an deutschen Gymnasien, an denen Pädagogen sich engagieren und auf vielfältige Weise ihre Schüler zu motivieren versuchen? Und das oft mit großen Erfolg. Weiß er um die Hartnäckigkeit von Lehrern, die nicht in der komfortablen Situation einer abgeschirmten herilen Salem - Welt leben. Der Mann hat gut reden!
Und dann geht Bueb mit den Psychologen ins Gericht, deren Arbeit er als völlig überflüssig und blödsinning abkanzelt. Und dann die Achtundsechziger, die Versuche antiautoritärer Erziehung. Alles Mist! Daß viele von denen heute in Führungspositionen sitzen - Professoren sind, Bundesaußenminister waren, im Europaparlament und in großen Wirtschaftsunternehmen vertreten sind - kein Wort davon. Und nichts davon, daß Schule, wenn sie sich nicht an alten Ritualen und alten, veralteten Mustern orientiert, Spaß machen kann. Nein, der Alte aus Salem, kann sich das nicht vorstellen, will sich das nicht vorstellen, will davon nichts hören. Ein Buch zum Ärgern und zum Streiten. Oder für alle, die noch heute ihre Rangen aus dem Weg haben wollen und dafür ordentlich Kohle auf den Zahlteller legen, damit sie diszipliniert verkümmert, zum Erfolg verdammt werden. Für die einen Bestätigung, für die anderen Ärgernis. 
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