 © pavarotti international / decca, quelle: www.klassikakzente.de Luciano Pavarotti stammt aus Modena. Am 12. Oktober 1935 in eine musikalische Familie geboren, wird er auf selbstverständliche Weise an den Gesang herangeführt. Sein Vater, ein gelernter Bäckermeister, ist selbst Tenor und nimmt den Teenager häufig mit zum städtischen Chor. Pavarotti singt gerne, glaubt allerdings nicht wirklich an seine Berufung. Daher will er zunächst Lehrer werden und unterrichtet zwei Jahre an der Scuola del Magistrale. Doch er hat ein Talent, das sich nicht verbergen lässt. Als sein Chor beim internationalen Chorwettbewerb von Llangollen in Wales den ersten Preis gewinnt und darüber hinaus die ersten Ernüchterungen des schulischen Alltags einsetzen, entschließt er sich zu einem Musikstudium bei Arrigo Pola in seiner Heimatstadt, von 1958 an dann bei Ettore Campogalliani in Mantua.
1961 gewinnt Pavarotti den Concorso Internazionale. Der Preis ist ein Konzertauftritt am Teatro Reggio Emilia, dem Theater, an dem er schon am 29. April desselben Jahres als Rodolfo in Puccinis "La Bohème" debütiert hat. Sein Auftritt zieht die Aufmerksamkeit der italienischen Opernszene nach sich, und Pavarotti erhält Engagements in ganz Italien. Noch im selben Jahr wagt er mit "La Traviata" in Belgrad seinen ersten internationalen Auftritt. Von da an geht es Schlag auf Schlag. Ein sagenhafte Karriere beginnt, die ihn bereits 1962 nach Amsterdam (Egardo in "Lucia di Mammermoor", Donizetti) und kurz darauf nach Covent Garden (wieder als Rodolfo) führt. Die Natürlichkeit und Sonorität seiner Stimme begeistert die Menschen, der Newcomer wird herumgereicht und darf in Barcelona, Paris und London singen.
Sein amerikanisches Debüt gibt Pavarotti im Februar 1965 an der Miami Opera, in "Lucia di Lammermoor" mit Dame Joan Sutherland, die ihn fortan unter ihre Fittiche nimmt. Noch im selben Jahr geht er zusammen mit ihr auf eine gefeierte sechswöchige Tournee durch Australien. Vor seiner Abreise nach Sydney debütiert er an der Mailänder Scala wieder als Rodolfo, einer Rolle, die sich zu seinem Markenzeichen entwickeln sollte. Er tritt dort außerdem mit Verdis "Requiem" zu Ehren des hundertjährigen Geburtstages von Toscanini auf. Und er unterzeichnet 1967 einen Exklusivvertrag mit der Decca, der den Anfang einer mehr als dreieinhalb Jahrzehnt währenden erfolgreichen Zusammenarbeit markiert.
Obwohl Pavarotti schon 1968 an der New York Metropolitan Opera (Rodolfo) debütiert hat, folgt sein entscheidender Auftritt an diesem Haus vier Jahre später am 17. Februar 1972 mit Donizettis "La Fille du Régiment": Als Antwort auf seine Arie mit neun mühelos gesungenen hohen Cs bricht das Publikum in frenetischen Jubel aus. Das Pavarotti-Phänomen ist geboren. Immer wieder fasziniert er von da an vor allem in Donizetti-, Puccini-, Bellini-Rollen und so dauert es wiederum nicht lange, bis er großartige Partnerinnen an seiner Seite hat. Er singt mit Montserrat Caballé in Barcelona (1971), Ileana Cotrubas an der Scala (1974), Kiri Te Kanawa am Covent Garden (1976) und immer wieder mit der wunderbaren Mirella Freni. Die Met wird zu seiner zweiten Heimat, wobei Pavarotti sich von Beginn der Achtziger an auf der Opernbühne rar macht.
Die zweite Karriere startet schließlich 1990, als er gemeinsam mit Plácido Domingo und José Carreras unter dem Signum "Die drei Tenöre" bei dem inzwischen legendär gewordenen Konzert in den Bädern von Caracalla in Rom auftritt, am Abend vor dem World Cup-Finale 1990. Die Einspielung des Konzerts wird die sich am schnellsten und besten verkaufende klassische Schallplatte aller Zeiten. Im Juni 1993 kommen mehr als eine halbe Million Menschen in den New Yorker Central Park, während Millionen Zuschauer in ganz Europa und den Vereinigten Staaten das Ereignis am Fernseher mitverfolgen. Im folgenden Jahr begeistert Pavarotti unter dem Eiffelturm in Paris über 300.000 Musikliebhaber. Das Konzert der Drei Tenöre im Dodger Stadium in Los Angeles vor dem World Cup-Finale 1994 wiederum gilt als das weltweit am meisten gesehene Musikereignis aller Zeiten. Die große Nachfrage des Publikums nach den Drei Tenören führt zu einer Welttournee und am 10. Juli 1998 singen sie ein weiteres Mal zusammen, zwei Tage vor dem World Cup-Finale 1998.
Luciano Pavarotti ist sehr an der Förderung von Nachwuchstalenten interessiert und initiierte daher einen internationalen Gesangswettbewerb in Philadelphia, ein Wettbewerb, der bereits vielen jungen Künstlern als Sprungbrett zur Karriere geholfen hat. Er hat außerdem eine große Zahl von internationalen Anerkennungen und Preisen erhalten und wurde vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, zum Sonderbotschafter für den Frieden ernannt. Darüber hinaus gilt er als Experte für Pferdesport und organisiert das regelmäßig in seinem Pferdesportzentrum in Modena stattfindende Turnier Pavarotti International. Er agiert außerdem als Klassik- und Popstar für wohltätige Zwecke und bringt in Konzerten wie Pavarotti & Friends musikalische Welten zusammen. Die Erlöse dieser Veranstaltungen und der Plattenaufnahmen kamen internationalen Hilfsorganisationen wie War Child zugute.
Nach einer glanzvollen und einzigartigen Karriere hat Luciano Pavarotti beschossen, sich von 2005 an endgültig von den großen Bühnen zurückzuziehen. Im kleinen Kreis wird er allerdings in seiner Heimatstadt Modena weiterhin präsent bleiben. Die Glücklichen, die ihn hören und erleben können, sind die 24 Studenten und Studentinnen, die für den Gesangskurs am Konservatorium angenommen werden. Dort nämlich will der Startenor sein Wissen an die nachfolgende Generation weitergeben. Schließlich weiß man ja nie, ob nicht ein neuer Star des Opernhimmels bereits an der Schule in den Startlöchern steht, die Pavarotti selbst einst auf den Weg gebracht hat.
6/2005
Quelle: www.klassikakzente.de
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