 © sheila rock / dg, quelle: www.klassikakzente.de Der spanische Tenor Plácido Domingo ist eine der großen Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens. Er sang bislang 119 Rollen und nahm über 100 Tonträger auf, davon allein 97 Opern in voller Länge. Er wurde mit neun Grammies ausgezeichnet, wirkte außerdem als Dirigent, Regisseur und engagiert sich sowohl im internationalen Kampf gegen Krankheiten wie Aids als auch für den Aufbau junger Talente. So ist er einer der unangefochtenen Stars der klassischen Szene und noch immer ein Impulsgeber für zahlreiche neue Projekte. Ein Künstler, der sein Leben der Musik gewidmet hat, die er möglichst vielen Menschen nahe bringen will und die noch immer der Ursprung seiner Kraft ist: "Ich bin davon überzeugt, dass ich meine Energie direkt aus der Musik beziehe - je mehr ich singe, desto lieber tue ich es; ich kann mich bei meiner Arbeit gar nicht langweilen. Ich gehe davon aus, dass ich noch ein paar Jahre vor mir habe, und hoffe, dass ich immer noch etwas für die Menschen tun kann, die Musik lieben".
Plácido Domingo wurde am 21. Januar 1941 in Madrid als Sohn einer Zarzuela-Sängerin geboren. Von Kindesbeinen an ist er mit Musik konfrontiert und findet auf diese natürliche Weise zu seiner künstlerischen Berufung. Im Jahr 1949 zieht seine Familie nach Mexico City. Am dortigen Konservatorium beginnt Domingo auch mit der Ausbildung und studiert Klavier, Gesang und Dirigieren. Sei Bühnendebüt gibt er 1957 in Mexico City in einer spanischen Zarzuela, allerdings zunächst als Bariton. Da ihm die Lage ein wenig tief erscheint, wechselt er bald darauf zum Tenor und lässt sich unter anderem von Igor Markevitch weiter ausbilden. So findet sein eigentliches Bühnendebüt als Tenor erst 1960 in Monterey als Alfredo in Verdis "La Traviata" statt.
Das allerdings gestaltet er derart eindrucksvoll, dass er bald darauf nach Dallas als Arturo in Donizettis "Lucia di Lammermoore" und Partner der großen Joan Sutherland eingeladen wird. Der nächste wichtige Karriereschritt folgt im Jahr 1962, als ihn ein Engagement an die Oper von Tel Aviv holt, wo er während der folgenden zweieinhalb Jahre rund 300 Vorstellungen in 12 verschiedenen Rollen gibt. Es spricht sich herum, dass Domingo zu den vielseitigsten Tenören seiner Generation gehört und so wundert es wenig, dass auch die exklusiven Einladungen bald folgen. Im Jahr 1966 etwa wirkt er in der Titelpartie bei der Uraufführung des "Don Rodrigo" von Ginastera mit, die als Eröffnungsvorstellung die New York City Opera im neuen Haus im Lincoln Center vorstellte. Von da an geht es zügig voran. Domingos Met-Debüt als Maurizio in Cileas "Adriana Lecouvreur" folgt 1968, allerdings mit Hilfe des Zufalls, weil er zunächst für den erkrankten Franco Corelli einspringt.
Von diesem Tag an gehört er zu den Publikumslieblingen des Hauses und singt während der folgenden drei Jahrzehnte allein 17 Saison-Eröffnung-Vorstellungen an der Met, genau soviel wie einst Enrico Caruso. Domingo bleibt aber nicht nur in New York, sondern wird von Opern in aller Welt eingeladen. Seinem Debüt an der Hamburger Staatsoper 1968 folgt der Einstand an der Scala ("Ernani", Verdi, 1969), das Covent Garden Debüt in London als Cavaradossi in Puccinis "Tosca" 1971, die Premieren in Paris mit "Il Trovatore" 1973 und bei den Salzburger Festspielen in Verdis "Don Carlos" 1975. Sein Repertoire wächst beständig, anno 1984 singt Domingo erstmals auch Wagner im "Lohengrin" an der Met. Gelegentlich tritt er außerdem als Dirigent in Erscheinung, erstmals 1973 mit Verdis "Attila" am Teatro del Liceo in Barcelona.
Außerdem ist er auch in wichtigen Uraufführungen wie 1986 mit der Titelrolle von Gian Carlo Menotti "Goya" in Washington zu erleben. Im folgenden Jahre singt Domingo zum 100jährigen Jubiläum der Uraufführung von Verdis "Otello" die Titelpartie an der Mailänder Scala, mit der er in den kommenden Spielzeiten an zahlreiche weitere Opernhäuser eingeladen wird. Anno 1990 bricht dann ein neues Kapitel in seiner Biographie an, als er erstmals zusammen mit José Carreras und Luiciano Pavarotti unter dem Signum der "Drei Tenöre" bei der Fußballweltmeisterschaft in den Caracalla-Thermen in Rom auftritt.
Das Konzept entwickelt sich zum Massenphänomen, die Menschen strömen auch zu ähnlichen Konzerten bei der Olympiade von Barcelona oder der Weltausstellung in Sevilla. Die frühen neunziger Jahre sind außerdem Domingos Wagner-Jahre. Er singt den Parsifal an der Met und an der Mailänder Scala, gibt 1992 mit derselben Rolle sein Bayreuth-Debüt und tritt außerdem als Siegmund in der "Walküre" an der Wiener Staatsoper auf. Darüber hinaus fungiert er als künstlerischen Leiter der Expo in Sevilla. Immer mehr Bühnen wollen an seiner Erfahrung teilhaben und so wird er in der Saison 1996/1997 zum Artistic Director der Washington Opera ernannt, eine Funktion, die er dann 2002/1 auch für die Los Angeles Opera ausübt und die schrittweise in die Generaldirektion der beiden Häuser übergeht.
Domingo engagiert sich für den Nachwuchs macht sich für den Gesangwettbewerb "Operalia" stark, der bislang in Paris, Mexiko City, Madrid, Bordeaux, Tokio, Hamburg, Puerto Rico, Los Angeles und Washington stattgefunden hat, und initiiert 2002 das Projekt "Young Artists Program of the America" der Washington Opera. Für seine Verdienste wurde er mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnete unter anderem dem Gran Cruz de la Orden del Mérito Civil in Spanien und dem englischen Knight Commander of the British Empire.
9/2005
Quelle: www.klassikakzente.de
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