 © kasskara / dg, quelle: www.klassikakzente.de Claudio Abbado ist ein Phänomen der musikalischen Nachkriegsgeschichte. Geboren am 26. Juni 1933 in Mailand, gelang ihm nach dem Studium am Verdi-Konservatorium mit 27 Jahren ein umjubeltes Debüt an der Scala im Rahmen der Festwochen zum 300. Geburtstags Scarlattis. Von da an ging es mit Abbados Karriere steil bergauf. Er sammelte Preise, wurde 1965 von Herbert von Karajan dazu eingeladen, die Wiener Philharmoniker anzuleiten und avancierte sechs Jahre später zu deren ständigem Gastdirigenten. Von 1968 bis 1986 war er Musikdirektor der Mailänder Scala, wechselte daraufhin als Musikdirektor der Wiener Staatsoper und war nebenbei von 1987 an als Generalmusikdirektor der Kulturstadt tätig. Da er aus eigener Erfahrung wusste, wie wichtig die Förderung junger Künstler ist, rief er im Laufe der Jahre Festivals und Wettbewerbe ins Leben, die dem Nachwuchs Türen öffneten.
Dazu gehörte 1988 das Festival Wien Modern oder 1991 der Wiener Kompositionswettbewerb ebenso wie bereits 1978 die Gründung des Jugendorchesters der Europäschen Gemeinschaft, ferner die Gründung des Gustav-Mahler-Jugendorchesters, die er wie das Chamber Orchestra of Europe außerdem als Künstlerischer Leiter und Dirigent unterstützte. Anno 1989 schließlich wurde er in freier und geheimer Wahl - ein Novum in der Geschichte des Orchesters - von den Musikern zum Dirigenten der Berliner Philharmoniker gewählt, deren Fortentwicklung neben der Repertoirearbeit bei den Salzburger Osterfestspielen zu Abbados zentralem Interesse der Neunziger wurde, bis er sich im Jahr 2002 aus diesem Amt verabschiedete. Seit 1967 tritt Claudio Abbado für die Deutsche Grammophon Gesellschaft vor die Mikrofone. Seine umfangreiche Diskographie ist von den Gesamtaufnahmen der symphonischen Werke von Beethoven, Brahms, Mahler, Mendelssohn, Schubert und Ravel sowie von weit mehr als zwanzig Opern-Gesamteinspielungen geprägt.
Über die Jahre hinweg hat Abbado außerdem zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für Platten ebenso wie für seine Arbeit als solche erhalten. Er ist Träger des Gran Croce, der höchsten Auszeichnung Italiens. Vom französischen Kultusminister erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion, vom Regierenden Bürgermeister Berlins das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Wiener Philharmoniker verliehen ihm bereits 1973 den Ehrenring und 1980 die Goldene Nicolai-Medaille; 1985 erhielt er ebenda die Goldmedaille der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft für seine Verdienste um die Musik Gustav Mahlers, 1994 der renommierten Ernst von Siemens Musikpreis.
Er hat Ehrendoktorate der Universitäten von Aberdeen, Ferrara und Cambridge und ist Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und der Wiener Konzerthausgesellschaft. Im Sommer 2005 wiederum bekommt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt Luzern verliehen, denn er war unter anderem als Berater des Architekten Jean Nouvel und des Akustikers Russell Johnson an der Gestaltung des dortigen Kongresszentrums beteiligt und hatte 2003 das Lucerne Festival Orchestra wieder ins Leben gerufen, ein Spitzenensemble aus Musikern des Mahler Chamber Orchestra, dem Abbado noch bis 2010 vertraglich verbunden bleibt. Claudio Abbados Schallplattenwerk gehört zu den umfangreichsten Künstlerdiskografien im Repertoire der Deutschen Grammophon.
Schon der Blick auf die vergangenen fünf Jahre dokumentiert eine Titelvielfalt, wie sie kaum ein anderer Dirigent zu bieten hat. So erschien 2000 zum Beispiel eine neue Gesamteinspielung der Beethoven-Symphonien mit den Berliner Philharmonikern. Im folgenden Jahr wandte Abbado sich Verdis Falstaff bei den Salzburger Osterfestspielen zu und verewigte die Produktion durch eine Aufnahme im April in Berlin. Anno 2002 verabschiedete er sich als künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestpiele mit einer Neuinszenierung des Parsifal , nahm seinen Hut bei den Berlinern und trumpfte zugleich mit dem "Berlin Album " sowie Mahlers Symphonien Nr. 3, 7 und 9 mit den Berliner Philharmonikern auf.
Es folgten ein Debussy-Album mit der Konzertsuite "Pelléas et Mélisande" und dem "Faun" (2003), wieder mit seinem Stammorchester, eine Jubiläums-Box zum 70. Geburtstag des Dirigenten mit Wagner-Highlights (2003), eine Interpretation mit dem Lucerne Festival Orchestra von 2003 mit Mahlers "2.Symphonie" (2004) und eine großartige Neuaufnahme von Mahler 6, diesmal wieder mit den Berliner Philharmonikern (2005).
Insgesamt viermal wurde er bereits für eine seines Produktionen mit dem Grammy ausgezeichnet: Im Jahr 1979 für Bartóks "Klavierkonzerte Nr. 1 & 2" mit Maurizio Pollini, 1997 für Hindemiths "Kammermusik Nr.1", 1999 für Mahlers "Des Knaben Wunderhorn" mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff und 2003 für Schuberts "Lieder with Orchestra", wiederum mit von Otter und Quasthoff als Solisten. Das alles und noch viel mehr im Programm der Deutschen Grammophon zeigt deutlich, dass Claudio Abbado längst seinen Ehrenplatz auf dem Olymp der Dirigierkunst sicher hat.
6/2005
Quelle: www.klassikakzente.de
Aktuelle Auftrittstermine von Claudio Abbado finden Sie in der Rubrik "Konzerte/Klassik"
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