KLEINE MEININGER THEATERGESCHICHTE
von Meiningen bis Hollywood
Man sagt, Meiningen sei eigentlich keine Stadt mit Theater, sondern ein Theater mit Stadt - oder anders: Die Stadt spiegelt sich im Theater, von wo aus es die europäische Theaterlandschaft erneuert hat.
Bereits im 18. Jahrhundert begeisterten sich die Meininger Herzöge für das Theater, veranstalteten Laienaufführungen, um schließlich 1831 das Hoftheater Meiningen zu eröffnen.
1866 übernahm Georg II. die Regentschaft im Herzogtum und zugleich auch die Leitung des Theaters. Er strebte eine Erneuerung des deutschen Theaters an. Gemeinsam mit dem Co-Regisseur Ludwig Chronegk und seiner Frau, der Schauspielerin Ellen Franz, war sein Hauptanliegen, die philosophischen, dramaturgischen und dekorativen Elemente in seiner Arbeit zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Die seit 1690 bestehende Hofkapelle profilierte sich während der Regierungszeit Herzog Georg II. und entwickelte sich zu einem bedeutenden Orchester mit Hans von Bülow, Richard Strauss, Johannes Brahms und Max Reger am Pult.
Ende des 19. Jahrhunderts folgte ein Siegeszug der “Meininger“ durch Europa: Die “Meininger Gastspiele“ wurden zur Legende. Das Ensemble reiste von 1874 bis 1890 - ein logistisches Meisterstück - mitsamt Bühnenbildern, Requisiten und Kostümen per Bahn durch 39 Städte, von London bis Kiew mit 2591 Vorstellungen. Überwiegend Werke von Shakespeare, Schiller und Goethe wurden aus der gefühlsentleerten Inszenierungskonvention herausgeführt. Das Meininger Theater wurde zur Wiege des Naturalismus und verschaffte dem modernen Regietheater seinen Durchbruch. Stanislawski entwickelte aufgrund seiner Eindrücke der “Meininger Spielweise“ seine Lehr- und Regiemethode, die später Bertolt Brecht in Berlin, Sergej Eisenstein in Moskau und Lee Strassberg in New York inspirierte. In Strassbergs Actors Studio in New York begannen Filmlegenden wie Al Pacino, Robert de Niro oder Dustin Hoffmann ihre Karrieren. - Ohne Meiningen kein Hollywood.
Nach dem Theaterbrand wurde 1909 an gleicher Stelle der heutige neoklassizistische Theaterbau eröffnet. Infolge der Novemberrevolution 1918 wurde das Theater vom Land Thüringen übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Meininger Theater als eine der ersten deutschen Bühnen den Spielbetrieb wieder auf und baute schrittweise ein festes Musiktheater- und Ballettensemble auf. 1986 folgte das Puppentheater. Mit einigen DDR-Erstaufführungen und Antike-Projekten gelangen dem Ensemble Maßstab setzende Inszenierungen. Nach der Wende führte der Intendant Ulrich Burkhardt mit neuer Studiobühne und internationalen Gästen das Haus zu Besucherrekorden. Dieser Erfolg wurde von Christine Mielitz im Musiktheater fortgesetzt. Spätestens seit ihrem “Ring des Nibelungen“ 2001 ist Meiningen wieder in aller Munde.
Von 2002 bis 2005 wurde unter der Intendanz des Schweizers Res Bosshart die Meininger Tradition innovativer Theaterästhetik mit überregionalem Erfolg fortgesetzt.
Seit der Spielzeit 2005/2006 leitet Ansgar Haag das Haus, der mit einer stärkeren Hinwendung zu Klassikern wie Goethe und Shakespeare neue Akzente setzen will.
www.das-meininger-theater.de
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