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Der Trinker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dieter Bub   
Sonntag, 5. Februar 2012
Der Trinker im Maxim-Gorki-Theater Berlin - eine Visualisierung, die Erkundung der Psyche eines Verzweifelten, die Darstellung einer Selbstzerstörung. Was der Zuschauer in zwei Stunden erleben muss ist anstrengend, darstellerisch bemerkenswert  aber schließlich doch nur ein plakatives Experiment, das allenfalls wegen seiner beiden Darsteller Samuel Finzi und Andreas Leupold den Besuch lohnt. Denn:  auf der Bühne des Gorki-Theaters ist diese Bühnenadaption gründlich mißraten. Sebastian Baumgarten ist das Stück mit Texten aus   Hans Falladas noch heute aktuellem Werk über die eigene Sucht zu einem Spektakel "abgesoffen". Nach einem zähen Beginn mit einem nervigen Gesangs- und Guitarrengedröhn von Teve Binetti gibt es die erste Stunde ein Hörspiel, bei dem drei Männer an der Rampe sitzen, von denen zwei Monologe und Dialoge sprechen und alle drei zwischendurch zur Unterbrechung singen. Erst mit den ersten Tobsuchtsanfällen Sommers bekommt das Unternehmen Fahrt. Auf den Vorhang werden die Wahnvorstellungen gezeigt, Fratzen, Spinnen, fliegende Insekten, Gewürm - dann wird der  Vorhang durch eine Windmaschine aufgebläht, Musik dröhnt, der Stoff scheint die Akteure zu verschlingen, Sommer-Finzi tobt, stampft, später erbrechen sie sich in Strömen, Kotze und Blutströme, stürzen aus ihnen, eine Leber wird bemüht und angefressen. Der große Ekel. Am Schluß erscheint die Sommer-Doppelfigur in Anzügen, Anstaltskleidung und schließlich müssen beide als bucklige Glöckner-Figuren auftreten. Das große Gelärm. Es wäre nicht notwendig gewesen. Baumgarten illustriert, er mißtraut nicht nur dem Text sondern auch seinen beiden Schauspielern, denen trotz allem große Momente gelingen. Schade. Falladas Trinker hat die Substanz für eindringliche Bühnenwirkung. Hier wird sie aufgeblasen verpufft. So gehört das Stück in die Theater-Trinker-Heil-Anstalt. 
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. Februar 2012 )
 
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