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Geschrieben von Dieter Bub   
Mittwoch, 12. Oktober 2011

Braschs Leben


Die Kinder der preußischen Wüste:

Ein Roman – und eine Biografie, Zeitgeschichte und Lebensgefühl in einer zerrissenen und neu geformten Welt. Klaus Pohl hat seinem Freund Thomas Brasch ein ungewöhnliches Buch geschrieben, in dem er uns in die Gesellschaft von Künstlern mitnimmt, die sich in Leidenschaft, Liebe, in Lebenslust verlieren und finden, die einander offen ungehemmt, rücksichtslos und mit großer Zuneigung begegnen. Mit ihnen reisen wir durch das graue DDR-Berlin nach dem Bau der Berliner Mauer, die Roberts Vater mit errichtet hat und nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Robert und seine Freunde verteilen Flugblätter, werden verhaftet, der Sohn vom Vater verraten und mit Eiswasser gefoltert, wochenlang verhört, verurteilt, in die Fabrik geschickt. Und doch nicht zu beugen. Er schreibt. Ein Bessener mit dem der Leser die Ostberliner Boheme-Szene erlebt. Es bleibt nur ein Weg - der Weg aus der Diktatur in den Westen, genehmigt von Erich Honecker, der den Dichter noch als Sohn des Funktionärs kannte.Wir begleiten ihn und Nora, die Freundin und DDR- Geliebte seines Lebens, die bei Thomas Brasch Katharina Thalbach war. Die andere Hälfte der Stadt, die immer unfertig und im Aufbruch alle in sich aufsaugt, Anfang, Neubeginn, Chancen und Verlorenheit bietet. Die Schaubühne und das Florian, Kneipen, Saufgelage, das Schillertheater. In diesem Chaos der andauernden Tage und Nächte Louis, den unersättlich Liebenden, der, wie einst Robert, Nora verfällt. Nora trägt nicht nur ihre Vergangenheit im Osten Europas mit sich, sie sucht und findet Neues. Robert aber liebt Sophie, den Musical – und Filmstar. Rauschhaft, ungezügelt, berühmt – erhält Robert in New York das Angebot zu einem 800-Seiten-Buch über sein Leben, eine Arbeit, die ihn vermögend machen würde, die er aber ablehnt, weil er über Jahre an Amerika gebunden ohne Deutschland, ohne Berlin nicht leben könnte. Zurück schreibt er besessen weiter, dreht Filme, veröffentlich, verglüht sich selbst, stirbt an seiner Unersättlichkeit.

Klaus Pohl hat nun das ungeschriebene Buch des Freundes verfasst, einen Roman über Thomas Brasch. Er hat ihm literarisches Denkmal gesetzt und ihm sein Buch geschenkt, das für uns spannende Lektüre bedeutet.


Klaus Pohl: Die Kinder der preußischen Wüste

Arche Verlag


 
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