Manchmal ist es schade, dass Thomas Alva Edinson nicht ein wenig schneller war. Denn dann hätte er vielleicht noch einschlägige Aufnahmen der Klavierkunst von Franz Liszt
machen können, von der viele Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts
hingerissen waren. So aber müssen wir uns mit Augenzeugenberichten
begnügen, die angesichts der vermeintlichen Unspielbarkeit vieler
ungewöhnlicher Kompositionen schon mal mutmaßten, dass Franz Liszt elf Finger
habe. So oder so ist Franz Liszt eine Ausnahmegestalt der
Musikgeschichte. Vielseitig begabt, reüssierte er als Komponist und
Pianist, Dirigent und Pädagoge, Theaterleiter und Schriftsteller. Er
galt als Exzentriker, Chopin hielt ihn für einen Scharlatan, Mendelssohn regte sich über seine Angewohnheit auf, manche Passagen als Pianist einfach zu variieren, und Clara Schumann störte sich an der Effekthascherei, mit der er ihre Meinung nach um das Publikum buhlte.
All das aber klingt auch ein wenig nach Neid, denn Franz Liszt gelang
es mit wehender Mähne und der Aura des Genies, sein Publikum zu
verzaubern, gar zu „unterjochen“, wie Robert Schumann
konstatierte. Er sprühte nur so vor Kreativität, revolutionierte das
Klavierspiel, schuf mit seinen Sinfonischen Dichtungen Maßstäbe der
Orchesterkunst, schrieb darüber hinaus Chor- und Orchesterwerke, Lieder
und Melodramen, Transkriptionen und sogar ein Oper. Er war der
Tausendsassa des bürgerlichen Kulturbetriebs, der über all seinen
Aktivitäten aber die Qualität der Werke nicht aus den Augen verlor. „Dass
das Klavier als Liszts Ausdrucksmittel Nummer eins alle Stücke
dominiert, erscheint als fast selbstverständlich. Franz Liszts Auftritte
als Konzertpianist und genialer Virtuose waren jedes Mal
gesellschaftliche Ereignisse ersten Ranges, man hat seine Wirkung auf
die Zuhörer, seine Zeit und die musikalische Zukunft sicherlich zu recht
mit der der Beatles im 20. Jahrhundert verglichen“, heißt es im Vorwort von Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner zu der Jubiläums-Edition „Franz Liszt Superstar“ und damit treffen die Regentinnen von Bayreuth den Nagel auf den Kopf.
Weiter liest man dann: „Wenn,
wie auf diesen beiden CDs, so erstklassige Pianisten seine Werke
interpretieren, wird bestimmt jedem Zuhörer die hinreißende Magie und
der faszinierende Zauber seiner Musik aufgehen. Wir glauben nicht, dass
es jemanden kalt lässt. Wir hoffen aber, dass die CDs noch viel mehr
Lust auf Liszt machen, auf die Entdeckung eines vielgestaltigen,
außergewöhnlichen, anspruchsvollen und häufig verblüffend modernen,
vitalen Gesamtwerks.“ Und eigentlich kommen kaum Zweifel auf, dass
dieses Ziel auch erreicht wird. Denn die Sammlung mit Klavierwerken des
Superstars der Vergangenheit wird von der Superstars der Klavierhistorie
und Gegenwart bestimmt. Die Liste der Interpreten reicht von Martha Argerich, Vladimir Horowitz, Sviatoslav Richter, Wilhelm Kempf, Geza Anda und Shura Cherkassky bis Daniel Barenboim, Vladimir Ashkenazy, Yundi Li, Mikhail Pletnev, Lang Lang und Alice Sara Ott. Das Repertorie wiederum umfasst Evergreens wie den „Liebestraum“ und die „Ungarischen Rhapsodien“ ebenso wie hochromantische und frühimpressionistische Klangbilder aus den Zyklen „Années de pèlerinage“ oder den „Consolations“.
Damit ist „Franz Liszt Superstar“ nicht nur ein gelungenes Ständchen
zum Jubiläumsjahr sondern zugleich ein prominent besetztes Kaleidoskop
der Klavierkunst auf oberstem künstlerischen Niveau.



