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Wie begreifen wir Geschichte? Nicht
über die Entscheidungen der Mächtigen sondern über das Schicksal
derer, die sie erlebt haben, die sie ertragen und durchleiden musste.
Ein wichtiges Beispiel dafür ist Werner Sonnes Roman „....und der
Zukunft zugewandt“. Der Titel ist die zweite Zeile aus der
Becher-Hymne der DDR. Der ARD-Fernsehjounalist erweist sich dabei
als ein klarer Erzähler, der den Leser in die Jahre zum Ende des
Krieges und des Neuanfangs im zerstörten Berlin führt. Der
Sozialdemokrat Klaus Weinert, Überlebender von Stalingrad,
inhaftiert im KZ-Sachsenhausen rettet eine Frau, Rebecca, nach einem
Bombenangriff, aus den Trümmern der Heinkel-Flugzeugwerke in
Oranienburg. Es ist eine schicksalhafte Begegnung. Nachdem beide
überlebt haben finden sie sich – doch ihr Weg zueinander ist
schwer. Rebecca sucht ihre Verwandten in Polen, Weinert will beim
Neubeginn in Ostberlin helfen, verweigert sich der Zwangsvereinigung
von KPD uns SPD zur SED und landet – nun unter sowjetischer
Herrschaft - wieder in Sachsenhausen. Er erlebt die Schrecken einer
Scheinhinrichtung, wird nicht, wie viele andere nach Sibirien
verschleppt sondern kommt durch einen Austausch frei – gelangt so
in den Westen. Ein happy end.
Sonnes Buch ist einfach geschrieben und
so für viele lesenswert, die sich sonst für den Beginn
stalinistischer Diktatur in der DDR unter der Führung der Gruppe
Ulbricht nicht interessiert hätten. Manches klingt dabei
plakativ:“Er nahm erneut einen Schluck. Er flüsterte ihren Namen,
doch er erschien ihr mit einem Mal nur ein Wort zu sein, blutleer,
keine Person, kein Mensch, zu dem dieser Name gehörte.“ Oder:“Die
Ruinen ragten schwarz und gezackt wie faule, abgebrochene Zähne in
den dunklen Nachthimmel.“
Dabei: ein lesenswertes deutsches
Geschichtsbuch über Kriegsende, Neubeginn, Diktatur und Teilung.
Werner Sonne: Und der Zukunft zugewandt
-Bloomsbury Berlin
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