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Geschrieben von Administrator   
Dienstag, 27. Juli 2010

Komische Oper Berlin

Die Meistersinger von Nürnberg …
Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner Text vom Komponisten
Premiere … Sonntag, 26. September 2010, 17:00 Uhr
Musikalische Leitung … Patrick Lange Inszenierung … Andreas Homoki Bühnenbild … Frank Philipp Schlößmann Kostüme … Christine Mayer Dramaturgie … Werner Hintze Chöre … Robert Heimann Licht … Franck Evin
Besetzung … Tómas Tómasson (Hans Sachs), Dimitry Ivashchenko (Veit Pogner), Christoph Schröter (Kunz Vogelgesang), Carsten Sabrowski (Konrad Nachtigall), Tom Erik Lie (Sixtus Beckmesser), Günter Papendell (Fritz Kothner), Peter Renz (Balthasar Zorn), Stephan Spiewok (Ulrich Eißlinger), Thomas Scheler (Augustin Moser), Karsten Küsters (Hermann Ortel), Hans-Peter Scheidegger (Hans Schwarz), Hans-Martin Nau (Hans Foltz), Marco Jentzsch (Walther von Stolzing), Thomas Ebenstein (David), Ina Kringelborn (Eva), Karolina Gumos (Magdalene), Jan Martinik (Ein Nachtwächter) sowie der Ernst Senff Chor, die Chorsolisten und das Orchester der Komischen Oper Berlin
Die Komische Oper Berlin eröffnet die Spielzeit 2010/11 mit einer Neu-inszenierung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Harry Kupfer hat »das Werk Wagners, das so gut wie kein anderes an unser Haus passt« (Andreas Homoki) erstmals am 3. Oktober 1981 an der Komischen Oper Berlin inszeniert. Ab 26. September 2010 wird die Neuproduktion von Chefregisseur Andreas Homoki und dem neuen Chefdirigenten, Patrick Lange, zu erleben sein. Tómas Tómasson, der in der Behrenstraße als Lear in Hans Neuenfels‘ Inszenierung von Aribert Reimans gleichnamiger Oper gefeiert wurde, übernimmt die Partie des Hans Sachs.
Die Meistersinger von Nürnberg, Wagners ebenso rührendes wie urkomisches Werk über die kunstbegeisterten Handwerker, ist ein Kammerspiel der ver-schwiegenen und nur halb bewussten Gedanken, der kleinen Gesten und großen Gefühle. »Nirgends ist das Werk so gut aufgehoben wie im repräsen-tativen und doch intimen Theatersaal der Komischen Oper Berlin«, so Andreas Homoki, Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin. Er inszeniert das Werk als subtiles Spiel, das die unausgesprochenen Nuancen und Hintergedanken der Dialoge fühl- und sichtbar macht. Seine »handwerk-liche Virtuosität« (Deutschlandradio Kultur), seine »konzentrierte Personen-führung« (Neue Zürcher Zeitung), die Spielfreude des Ensembles, die jugend-frische Verve des Dirigenten Patrick Lange sowie die räumlichen Besonder-heiten des Hauses bieten beste Voraussetzungen für diese Neuinszenierung, die mit Lebendigkeit, Witz und großem Ernst die Feinheiten und Schön-heiten von Wagners Meisterwerk mit großer Klarheit herauszuarbeiten versucht.
Alle Termine der Spielzeit 2010/11 …
Einführungsmatinee … 12. September 2010, 12:00 Uhr
Premiere … 26. September 2010 , um 17:00 Uhr in der Komischen Oper Berlin
Weitere Aufführungen …
2./9./23. Oktober, 7./13./29. November 2010, 2. Juli 2011, jeweils 17:00 Uhr
12./26. Dezember 2010, jeweils 16:00 Uhr
Komische Oper ‘Festival … 17. Juli 2011, 17:00 Uhr
Karten …
Kartentelefon Komische Oper Berlin … +49 (30).47 99 74 00
Montag bis Samstag 9:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 20:00 Uhr
Preise … So – Do … 10,00 – 62,00 € Fr + Sa … 10,00 – 72,00 € Premiere … 12,00 – 93,00 €
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , www.komische-oper-berlin.de

 

Werner Hintze über den Inszenierungsansatz …
»Kein Werk Wagners passt so gut an unser Haus wie dieses.« Diese Aussage von Andreas Homoki mag den Kenner irritieren, gilt doch gerade Wagners geniale Komödie als Prototyp eines »großen Stücks«, groß vor allem in bezug auf Orchester- und Chorbesetzung und den sonstigen personellen und szenischen Aufwand, den es verlangt. Allerdings relativiert sich dieser Eindruck sehr schnell, wenn man die Partitur etwas näher betrachtet. Zum einen ist die Orchesterbesetzung gar nicht so groß wie man es erwarten sollte. Die Besetzung mit doppeltem Holz ent-spricht eher der einer Opéra comique als der einer typischen Wagner-Oper. Das bedeutet auch, dass die monströs große Chorbesetzung, die man bei diesem Stück oft findet, eigentlich nicht erforderlich ist. Im Gegenteil schei-nen die schnellen Figurationen, die dem Chor oft abverlangt werden, auf ein nicht übergroßes, bewegliches Ensemble berechnet zu sein.
Darüber hinaus ist es bedeutsam, dass die großen Chorszenen einen relativ kleinen Raum einnehmen: Der Chor tritt lediglich kurz vor Schluss des 2. Akts und im letzten Bild in Erscheinung, hier allerdings umso wirkungsvoller.
Freilich verlangt das Stück eine große Zahl von Solisten. Das hat seine Ur-sache darin, dass Wagner großen Wert darauf gelegt hat, jeden einzelnen der kunstbegeisterten Handwerker individuell und mit viel Liebe zu zeichnen. Um dem gerecht zu werden und die Menge der Meister nicht doch in einen kleinen, jeder Individualität baren Chor zu verwandeln, sind Darsteller er-forderlich, die ihre Figuren im lebendigen Theaterspiel plastisch ausformen können. Und es ist eine Bühne erforderlich, die es dem Zuschauer ermög-licht, die Feinheiten dieses Spiels auch wirklich wahrzunehmen.
Das Kammerspiel ...
Diese Forderung gilt für das ganze Stück: Es handelt sich bei den Meistersingern um ein Kammerspiel, das seinen besonderen Reiz aus den kleinen Gesten, dem subtilen Spiel der Darsteller bezieht. Dem subtilen Spiel, das es ermög-licht, die unausgesprochenen Nuancen und Hintergedanken der Dialoge fühl- und sichtbar zu machen. Solch nuanciertes Spiel lässt sich nur in einem relativ kleinen und intimen Theaterraum realisieren, in dem der Zuschauer nah am Geschehen ist. Die großen Bühnen, auf die das Stück zu gehören scheint, stehen dem entgegen. Und die Aufführungstradition, die sich daraus ergibt, scheint die Ursache zu sein für die starken Vorbehalte, die viele Opernbe-sucher gegen die angeblichen Plattheiten und den angeblich groben Humor des Stücks erheben.
Natürlich hilft der intimste Raum nichts, wenn man nicht über Sänger ver-fügt, die darstellerisch in der Lage sind, ein solches subtiles Spiel mit dem Halbgewissen und Unausgesprochenen, der halb verschwiegenen Andeutung und dem kaum geahnten Gedanken zu realisieren in der Lage sind. Die Komische Oper Berlin verfügt über ein Ensemble, das dies leisten kann und sich mit Begeisterung und Kenntnis einer solchen Aufgabe stellt.
Die Komödie ...
Und schließlich gehört dieses Stück thematisch an unser Haus. Die Frage nach der Tradition und der Erneuerung ist für die Komische Oper seit ihrer Grün-dung das zentrale Thema aller künstlerischen Auseinandersetzung. Dabei passt es gut zu dem Haus, in dem Oper von Anfang an als Theater verstanden und aufgeführt wurde, dass Wagner diese wichtigen Fragen nicht in Form einer theoretischen Abhandlung vorträgt, sondern als Komödie, die die verschie-denen Ebenen der Handlung und der Bedeutung auf dramaturgisch höchst virtuose Weise verflicht. Wagners Werk fügt sich damit in die Tendenz ein,die zu unserer zentralen Überzeugung geworden ist: Es darf kein Primat einer ideologisch motivierten Konzeption über das lebende Theater geben, wie man es heute an vielen Orten im Fahrwasser des sogenannten »Regietheaters« sieht und zu tolerieren sich gewöhnt hat.
In diesem Sinne ist auch der Inszenierungsansatz vor allem auf das lebendige Theater gerichtet und zielt nicht in erster Linie darauf, die Haltung Wagners zur Tradition als zeitbedingt, überholt, möglicherweise sogar finster-nationa-listisch zu entlarven oder aufzuzeigen. Vielmehr sehen wir in Wagner und seinem Alter-Ego Hans Sachs Gleichgesinnte, die eine Auffassung von der Kunst vertreten, die uns sehr nahe ist. Nahe auch und vor allem, weil Wagner die Problemstellung nicht auf den Bereich der Ästhetik beschränkt, sondern zur Frage der Herkunft des Gegenwärtigen und seiner Verwurzelung im Ver-gangenen ausweitet. In diesem Zusammenhang findet auch die Frage nach Sinn und Möglichkeit einer nationalen Identität und nach den Möglichkeiten ihrer Bewahrung bzw. den Folgen ihres Verlustes, die das ganze Stück durch-zieht, bis sie in der so oft missverstandenen und missbrauchten Schluss-An-sprache des Hans Sachs deutlich ins Zentrum rückt, ihren angemessenen Platz und erweist sich als keineswegs auf das 19. Jahrhundert beschränkt. Vielmehr zeigt sich, dass die Kernidee dieser Ansprache, die den Begriff der nationalen Identität von der staatlichen Integrität loslöst und die Möglichkeit seiner Verwirklichung ins gewaltfreie, ideale Reich der Kunst verlegt, eine gerade heute durchaus diskussionswürdige Alternative zu den blutigen Auseinander-setzungen anzudeuten, die unsere Welt erschüttern.
Text ... Werner Hintze, Chefdramaturg der Komischen Oper Berlin

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 27. Juli 2010 )
 
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