|
Geschrieben von Dieter Bub
|
|
Freitag, 2. Oktober 2009 |
|
Eine Rigoletto - Inszenierung die mit Mißtönen beginnt - eine Riesenpuppenfigur mit einem mächtigen hässlichen Pappkopf, den Mund aufgerissen jammert, schreit, greint, geht den Zuhörern auf die Nerven, die sich wünschen, dieses furchtbare Gejaule solle doch zu Ende gehen. Was dann folgt ist Verdis Musik in einer nie zuvor erlebten Interpretation. Hinter dem Puppenmonster verbirgt sich Rigoletto in einem riesigen Ballkleid unter dem die anderen Hauptakteure und die gesamte Hofgesellschaft - in Clownskostümen - hervorkriecht., um dann zu tanzen, zu hopsen, auch zu singen : das Ganze eine Groteske, die Bagage in ihrer Maske demaskiert als Horde von Schranzen, die später in Affen- und schließlich in Alltagsverkleidungen erscheint. Immerhin erleben wir den Herzog, Gilda, Sparafucile und Rigoletto in erkennbarer Ausstattung - Rigoletto wird nach dem Anfangsmaskerade im Riesenkleid - die dann doch nicht mehr ist als ein überflüssiger Regieeinfall - zu einem hinkenden verzweifelten Vater. Barrie Kosky verändert "Rigoletto" zu einer Burleske, in der die Tragödie, Verzweiflung und Abhängigkeit des Narren sich erst entwickelt, eines Mannes, dem als einziger Inhalt seines Lebens die Tochter geblieben ist. Diese beiden - Bruno Caproni und Julia Novikova sind die darstellerisch und gesanglich stärksten Figuren. Dabei ist Gilda bei Kosky zu kindlich - und am Ende schwanger, blutüberströmt. Der Herzog als der Besitz ergreifend Allein - Beherrscher bleibt dabei eher wenig faszinierend. Stimmlich ist Hector Sandoval scharf und ohne verführerisches Timbre. Eine ingesamt ungewöhnliche, sehenswerte "Rigoletto" - Interpretation des zukünftigen Chefs an der Komischen Oper in Berlin. Großer Beifall - und ein paar Buhs.
|
|
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 2. Oktober 2009 )
|