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„Czernowitz ist meine Heimat“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Mittwoch, 27. Mai 2009

Christel Wollmann-Fiedler


Aus dem Buch
„Czernowitz ist meine Heimat“
Gespräche mit der Zeitzeugin Hedwig Brenner
Texte und Fotos von Christel Wollmann-Fiedler
Munda Verlag, Brugg/Schweiz, ISBN 978-3-9523161-5-3
www.munda.ch
www.wollmann-fiedler.de


Hedwig Brenner, eine alte Dame, lebt in Haifa. Vor drei Jahren lernte ich sie während einer ihrer Lesungen in Berlin kennen. Viel erfuhr ich über ihren steinigen Lebensweg als Jüdin und Weltbürgerin.

1918, heute neunzigjährig, wurde Hedwig Brenner in Czernowitz als Tochter der Lehrerin Fridl Feuerstein und des Rechtsanwaltes Dr. Adolph Langhaus geboren. Als zehnjährige verlor sie ihren Vater, wurde von Mutter und Großmutter erzogen in eine und für eine gutbürgerliche Umgebung. Gute Schulen besuchte sie, ging kurzfristig vor dem 2. Weltkrieg zum Studium nach Wien und Genf, musste zu Kriegsbeginn zurück in ihre bukowiner Heimat.

Paul Celan, Ninon Ausländer, die dritte Frau Hermann Hesses, kannte sie in Czernowitz, auch Immanuel Weissglas. Mit Alfred Kittner, der heute in Düsseldorf lebt, ist sie noch immer freundschaftlich verbunden.

In Czernowitz heiratete sie 1939, den Ingenieur Gottfried Brenner, der in Prag studiert hatte. Zusammen gingen sie als junges Paar in das Petrolgebiet nahe Bukarest. Mutter und Schwiegermutter wollten sie 1940 aus Czernowitz zu sich nach Ploesti holen, konnten die Bukowina nicht mehr verlassen, mussten bleiben. Die Grenzen wurden geschlossen.

Verwandte verschwanden in Sibirien, andere verließen das Land und gingen nach England und in die USA, um sich zu retten. Hedwig Brenner und ihr Mann kamen ins Czernowitzer Ghetto, erlebten dort viel Unmenschliches, doch auch Menschliches, wie sie immer wieder erzählt. Sie überlebten die Gräuel der Nazis, wanderten 1945 nach Rumänien aus. Wieder gingen sie ins Petrolgebiet nach Ploesti, wo Gottfried Brenner bis zu seiner Pensionierung arbeitete.

Hedwig Brenner bekam in Rumänien zwei Kinder und begann eine Ausbildung als Krankenschwester und Physiotherapeutin. In diesem Beruf arbeitete auch sie bis zur Rentenzeit. 130 Ausreiseanträge hat das Ehepaar an den Rumänischen Staat gestellt, doch abgelehnt wurden sie alle. Erst im fortgeschrittenen Rentenalter, 1982, bekamen sie die Genehmigung, mit den bereits erwachsenen Söhnen und den Müttern nach Israel auszuwandern zu dürfen.

Seit 27 Jahren lebt Hedwig Brenner in Israel, in Haifa. Ein bescheidenes Leben führt sie in der neuen Heimat, erst sehr spät, vor Jahren, wurde sie Schriftstellerin. Familienbiographien schrieb sie, die im munda-Verlag verlegt wurden und vor allem entstanden durch ihre Energie und Arbeitseifer drei Lexika über „Jüdische Frauen in der bildenden Kunst“. Ca. 1500 jüdische Künstlerinnen nahm sie in diese drei Bände auf. Recherchiert hat sie in der ganzen Welt über mehrere Jahre, um diese künstlerischen Lebensbilder zusammenzubekommen. Längst gestorbene, in Konzentrationslagern umgekommene, noch lebende Frauen in aller Welt und junge jüdische Künstlerinnen vereinte sie in diesen Werken. Eine großartige Arbeit hat diese alte Dame, Hedwig Brenner, für die Zukunft geschaffen!

Mich haben ihre menschlichen und unmenschlichen Eindrücke in ihrem Leben nachhaltig beeindruckt und nicht zuletzt ihr strahlendes Gesicht, ihr positives Denken und die Aussage, immer Glück im Leben gehabt zu haben!


Nachfolgenden Generationen möchte ich diese oben beschriebenen Erlebnisse als Buch weitergeben. Das Leben einer sehr selbständigen jüdischen Frau, die nie am Leben verzweifelte(?), ihren Lebensmut behalten hat. In Osteuropa lebte sie mit ihrer perfekten deutschen Sprache, seit 27 Jahren in Israel als Einwanderin.



Christel Wollmann-Fiedler
Berlin im Mai 2009

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 27. Mai 2009 )
 
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