|
Die Berliner Philharmonie als afrikanische Arena - das Rundfunksinfonieorchester Berlin als Bigband, die Damen des Ernst Senff-Chors als Backround-Sänger ! Und dazu vier Künstler aus Mali, die zu den Wurzeln ihrer Vorfahren zurückführten. Was vordergründig exotisch klingt war ein spannendes, mitreißendes, einzigsartiges Erlebnis. Die Uraufführung von Daniel Schnyders Komposition "Sandiata Keita" - Der Löwenkönig " war nicht Folklore sondern ein Umgang mit Ursprüngen, bei denen das Ungewohnte nicht zum Material für klasssische Adaptionen mißbraucht wurde. Die Auftragsproduktion an den Komponisten in Residence weist Schnyder auch hier als Botschafter von einer Weltmusik aus, die uns zu den Wurzeln zurückführt - in das Herz Afrikas . Mir Christian Järvi am Pult hat er dabei einen Partner und musikalischen Freund, der die Botschaft temperamentvoll umsetzt, der wie Schnyder die Grenzen von U-und E-Musik längst überwunden hat und der ein "klassisches Orchester" mitzureißen vermag, das wie nie zuvor in Schwung kommt. Die Stars des Abends waren die vier afrikanischen 'Musiker aus Mali und New York zusammen mit dem österreichischen Kontrabassisten Georg Breinschmid, dessen Herz schwarz - jazzig schlägt. Daniel Schnyder, der Schweizer in New York war im ersten Teil mit seinen Variationen von Jimmy Hendrix, Abdullah Ibrahim, Horace Silver, Ellongton und Coltrane - Stücken selbst als Saxophon-Solist zu hören. Eine temperamentvolle und zugleich einfühlsame Ouvertüre.
Nach diesem Abend weiß der Zuhörer, wie entsetzlich banal die Afrika-Show Andre Hellers war und noch immer ist.
Begeisterung, Jubel für alle - Musiker, Sänger , Komponisten und Dirigenten. Dieses großartige Konzert sollte unbedingt wiederholt werden - es wäre ein Abend für die Waldbühne. Es vermittelt faszinierende Musik, unmittelbaren Lebensrythmus - und schafft eine Brücke zwischen Europa und Afrika.
Am 14. Mai ist Schnyder noch einmal in einem Kammerkonzert in Berlin zu erleben. Die Komposition "Der Löwenkönig" ist dann wieder beim Musiksommer Grafenegg zu erleben.
|