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Tannhäuser in Berlin- eine eindrucksvolle ungewöhnliche Inszenierung- bildstark, frei von folkloristischem Tand und doch in starkem zeitlichen Bezug - musikalisch auf hohem Niveau.
Im Mittelpunkt der Interpretation von Kirsten Harms steht nicht Tannhäuser sondern stehen die beiden Frauengestalten Venus und Elisabeth, in denen sich die scheinbar unvereinbaren Gegenpole von Eros und erzwungener Keuschheit zeigen. Tannhäuser überwindet die Zwänge einer Liebe, die sich nur im Minnesang äußern darf, in der die Berührung des anderen größte Sünde und die geschlechtliche Vereinigung mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft der Reinen geahndet wird. Daß der Frevler es gewagt hatte sich der Lust hinzugeben und seinen Aufenthalt im Reich des Verderbten - dem Venusberg , am Hort des Reinen , der Wartburg, zu bekennen , löst Empörung aus und bedeutete eigentlich den Tod, wäre nicht Elisbeth seine Retterin. Der verzweifelt reuige Tannhäuser wir vom Thüringer Landgrafen auf eine Pilgerreise nach Rom geschickt, dort verweigert ihm der Papst die Befreiung von den Süden , der Ritter kehrt zurück, will , nun nicht geläutert, in den Venusberg zurückkehren und findet sich in den Armen von Venus - Elisabeth wieder - denn sie ist die eine Frau, die Glück und Erlösung bringt für Tannäuser und für sich selbst. Kirsten Harms vereint diese beiden Figuren - und läßt sie von Nadja Michael singen - eine sängerisch und schauspielerisch große Herausforderung, bei der Elisabeth weitaus mehr Bedeutung bekommt, sich zu ihrem körperlichen Empfinden bekennt. Torsten Kerl als Tannhäuser , stimmlich beeindruckend , trägt als Gegenpart zu den anderen Minnesängern nur einen Harnisch, statt der Rüstung, in die Wolfram, Walter und die anderen eingezwängt sind - erstarrt im Denken erscheinen sie auf hölzernen Pferden, die auf Rollen bewegt werden. Sie tragen die gesellschaftlichen Scheuklappen vor sich her - arme Kerle ohne Lebens und Sinnenfreude. Kirsten Harms hat mit Bernd Damowsky klare Bilder gefunden - der verführerische Venusberg, in dem ein Ritterkosmonaut einschwebt, das prunkvolle Personal auf der Wartburg und die Sterbestation für die heimgekehrten Pilger - ein trostloser Krankensaal.
Zur musikalischen Interpretation : Jubel für Markus Brück als Wolfram, für das Orchester der Deutschen Oper, das so excellent seit langem nicht zu hören war - unter Ulf Schirmer und herausragend der Chor unter Willam Spaulding. Fazit : eine spannende , lohnende Tannhäuser - Interpretation. Die beste Wagner - Oper an der Bismarckstrasse seit Götz Friedrich.
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