MY FAIR LADY und Berlin - das ist schon eine ganz besondere Liebesgeschichte.
Das Broadway-Musical „My Fair Lady“, das im Herbst 1961, wenige Monate nach dem Schock des Mauerbaus, im Theater des Westens seine deutsche Erstaufführung erlebt hatte, wurde vor allem durch die Bearbeitung von Robert Gilbert, der das Stück schlau ins Berlinische übersetzte, zu einem sensationellen Erfolg.
Paul Hubschmid und Karin Hübner waren die Stars an der Kantstraße. Und Lieder wie „Mit nem kleenen Stückchen Glück“, „Es grünt so grün“ oder „Ich hätt getanzt heut nacht“ wurden zu Gassenhauern. Fünf Jahre später kam es auf der anderen Seite der Mauer im Metropol-Theater auf die Bühne und wurde auch im sozialistischen Teil der Stadt ein Renner.
Nun ist es zurückgekehrt nach Berlin, quasi ins Metropol-Theater, das freilich längst wieder Admiralspalast heißt.
Nun also kann man die Geschichte der Unterschichtengöre Eliza Doolitte, die schicksalhaft auf den herrischen Phonetik-Professor Henry Higgins trifft, wieder hautnah auf einer Bühne erleben.
Sprachprofessor Higgins wettet mit einem Kollegen, dass er binnen sechs Monaten ein Gossenmädchen so trainieren kann, dass diese als feine Dame durchgeht. Er drillt das Blumenmädchen Eliza Doolittle so lange, bis sie tatsächlich fehler- und akzentfrei „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh’n“ aufsagen kann, der Ball wird für die Debütantin zum Triumph, doch die Wissenschaftler feiern nur sich selber. Als Eliza ausrastet, erkennt Higgins, dass er sich längst in das Objekt seiner Forschungsbegierde verliebt hat.
Daniel Morgenroth agiert angemessen aasig als vokalverrückter Egozentriker, ohne dass sein Professor Higgins ein Unsympath würde. Als Eliza Doolittle steht Franziska Forster resolut-burschikos im Rampenlicht. Sie überzeugt als Göre besser denn als Dame. Udo Kroschwald ist die Idealbesetzung für den küchenphilosophierenden Müllkutscher Doolittle, die Verkörperung des lebenslustigen kleinen Mannes - einfach herzhaft-komödiantisch.
Man hätte dem Ensemble (und den Zuschauern) einen noch stärkeren musikalischen Auftritt gewünscht. Adam Benzwi und sein Orchester spielen überaus lustvoll und beschallen den ganzen Saal, aber es bleibt eben ein Sieben-Mann-Orchester, die Stimmungsnummern sind offenbar absichtlich verhalten inszeniert, damit bloß keiner mitklatscht.
Ja, das Stück ist lang, ja, es hätte oft mehr Tempo vertragen - und ja, es wird trotzdem ein hochvergnüglicher, ein umjubelter Abend von großem Schauwert.