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Jeanne d´ Arc PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dieter Bub   
Dienstag, 29. April 2008

Mit dieser Uraufführung  der "Jeanne d´Arc"  an der Deutschen Oper in Berlin beginnt gewiss die Wiederentdeckung des zu Unrecht vergessenen Komponisten Walter Braunfels - ein Verdienst der Intendantin Kirstin Harms auf irer archäologischen musikalischen Spurensuche als auch der Inszenierung eines Regieteams unter Anleitung des schwer erkrankten Christoph Schlingensief. Das Ergebnis : ein großer , spektakulärer spannender Abend, eine szenische Lithurgie in sieben Szenen, ein musikalischer Brocken mit allen Indrigenzien Schlingensiefscher Gestaltungselemente, mit denen der Stoff vollgepackt und vor allem in den ersten Szenen überlastet wird : Video - Installationen, die sich überlagern, dazu menschliches und tierisches Personal - Kleinwüchsige, Spastiker, Schafe, Ziegen, Hühner, eine Kuh : das Altbekannte.
Aber es geschieht mehr : große Gerüste werden genutzt und über die Bühne geschoben. In einer Reihe stehen Kult - Verbrennungsstätten in  Korrespondenz zu den Video Aufnahmen , die das Sclingensief - Team von Totenritualen in Nepal aufgezeichnet hat - dazu ein Sarg, in dem Akteure sich niederlassen , in die Tiefe gefahren oder fortgetragen werden. Schließlich auf der Drehbühne kleine Szenen - Zimmerräume, in denen sich Häusliches, Familäres zuträgt. Das opulent wuslige Bildmaterial orientiert sich von Anbeginn an Todesritualen - es ist so eine Auseinandersetzung mit dem unentrinnbaren Ende für Johanna, deren Schicksal mit ihren Wahnvorstellungen, mit ihrer Berufung zu Höherem besiegelt ist. 
Die Bedeutung dieser Uraufführung liegt darüber hinaus vor allem in der Wiederentdeckung eines zweimal vergessenen Komponisten - Braunfels Musik , in den zwanziger Jahren von großem Erfolf war von den Nationalsozialisten verboten worden und wurde nach 1945 bei der Hinwendung zur Atonalität als veraltet ignoriert. Zu Unrecht. An der Deutschen Oper ist ein bedeutender Komponist zu erleben - mit großer breiter spätromantischer Orchestrierung und in bester Leistung von Orchester , Chor und einem herausragendem Ensemble dargeboten. Für Opernfans besonders zu empfehlen.  

 

   

 

 

 
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