"Die Lebensgeschichte des Georg Forster"
Alois Prinz leitet sein Buch „Die Lebensgeschichte des Georg Forster“ mit dem Goethe- Zitat: (hat)„…der arme Forster denn doch seine Irrtümer mit dem Leben bezahlen müssen, wenn er schon einem gewaltsamen Tode entging.“ und dessen grundsätzlicher Ablehnung ein und legt so die Latte selbst sehr hoch auf, an welcher er sich messen lassen möchte.
Er erzählt im vorliegenden Band, ganz wie es der Titel verspricht, eine Lebensgeschichte. Diese mit beschwerenden Details, akribisch recherchierten Kleinigkeiten oder nicht unwichtigen, jedoch unpopulären Informationen aufzublähen, unterlässt er und beweist dadurch die Kunst des Weglassens zu beherrschen.
Bei aller Flüssigkeit des Schreibens, Beschränkung auf Wesentliches und wertungsfreies Zitieren aus den Briefen der Protagonisten, brauchen wir auf die Beschreibung des politisch-kulturellen Hintergrundbildes der Handlungszeit nicht zu verzichten. Die schnörkellose Erzählart macht, und was kann ein Autor mehr erreichen wollen, den Inhalt schlicht und ergreifend merkbar.
Durch die enge Verwebung ihrer Lebenswege, erfahren wir neben dem Georgs, auch vieles über das Schicksal seines nie biographisierten Vaters Johann Reinhold Forster. Diesem fällt, seiner Strenge und des ungezügelten Ehrgeizes gegen den eigenen Sohn wegen, die Rolle des Bösewichtes zu, der noch an der späteren Gesinnungsrevolution seines hoffnungsvollen Sohnes Schuld tragen soll. Doch wer wollte dem Vater ernsthaft die Formung eines der bedeutendsten Köpfe Europas seiner und kommender Zeit vorwerfen?
Auch der Hauch des Versuches, Georg Forster als „Held wider Willen“ zu alibisieren, ist vollkommen unnötig, ja geradezu degradierend.
Die Kritik Forsters an gesellschaftlichen Missständen seiner Zeit, hat sich als zeitlos herausgestellt. Vielleicht ist genau dies der Grund dafür, dass man ihn im freiheitlichen Teil der Welt zweihundert Jahre lang so stiefmütterlich behandelte und ihn der Diktatorischen als einen ihrer vorstalinistischen Wegbereiter kommentarlos überließ.
Mit abnehmender Seitenzahl schließt sich der Kreis, den der Autor im Bogen vom in das allgemeine Zeitgefühl der Aufklärung gebettete forstersche Leben, zur Sicht Kants schlägt: Man lebe zwar in der Zeit der Aufklärung, nicht aber in einem aufgeklärten Zeitalter.
So stehen auch wir erst am Anfang einer Neueinordnung der Bedeutung Georg Forsters.
Alois Prinz macht erste Schritte in die richtige Richtung. Dass der Widerspruch zwischen Forsters tiefsten Überzeugungen und dem Realleben, seinem seiner Zeit weit vorauseilenden, visionärem Intellekt entsprang, ist eine, vielleicht die wichtigste Erkenntnis hieraus.
Am Ende, wenn uns Alois Prinz mit dem Tode Forsters zu Tränen rührt, bemerken wir erstaunt, wie sehr dieser uns lieb, ja Mensch geworden ist. Den einleitend angeführten, Schuld zuweisende Goethe-Spruch, hat Prinz an dieser Stelle längst „ad absurdum“ geführt.
Ein „was zu beweisen war “ jedoch, suchen wir bei dem bescheidenen Autor vergeblich.
Sven Hohnstädter
"Die Lebensgeschichte des Georg Forster" von Alois Prinz erschienen bei Insel Suhrkamp
|