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Das immerhin ist (fast ) neu : Aida mit Scheuerlappen und Eimer unterwegs – ein dunkelhaarige und dunkelhäutige Frau in grauem Rock und Schürze inmitten einer uniformierten Schlips – und Kragenmasse. Diese Unglückliche – und unglücklich Verliebte – wir wissen es – hat schon die Schönheit der Welt geschaut, damals in ihrer Kindheit, bevor sie entführt und erniedrigt wurde.
Hatten wir endlich einmal wieder auf eine Oper gehofft, in der eine Geschichte erzählt wird, in der sich der Regisseur an Libretto und Musik orientiert, so mussten wir enttäuscht werden – so einfach wird es uns in der deutschen Hauptstadt nicht gemacht. Das Besondere muss her, der Gag und der Kick. Nachdem sich der Vorhang geöffnet hat, wissen wir, dass die Sache schief gehen muss. Die Beteiligten sitzen in einem Empfangs – oder Versammlungsraum auf schwarzen Plastik – Klappstühlen und singen nebeneinander her, die Gesichter in Schriften vertieft, die wohl die Bibel oder das Glaubensbekenntnis einer fanatischen Religionsgemeinschaft sein sollen -Sientology.gleich um die Ecke der Bismarckstrasse lässt grüßen. Also haben diese weißen Herrenmenschen Aida gefangen genommen. Sie sind gerade wieder unterwegs, erfolgreich und bringen den Vater Aidas als den Anführer des Gegners mit. Der Alte beschwört seine Tochter mit ihm zu fliehen und dem Geliebten den Angriffsplan für die nächste Schlacht zu verraten. Durch die Schlucht soll es gehen. Aha, denken wir, gleich neben dem Hochhaus der Sekte, gibt es eine Schlucht, vielleicht direkt in den Irak. Damit auch die Dümmsten unter den Zuschauern begreifen, wo wir sind, werden dürre Püppchen – Cheerleader aufgeboten, die ein paar Verrenkungen machen dürfen und dreißig bis vierzig Jungen-Zöglinge, die, dressiert , Hände auf dem Rücken, Pizza futtern müssen. Danach schlurft Aida mit der Abfalltonne der Berliner Müllabfuhr heran, um die Reste zu beseitigen. Zum Schluss, nachdem das Urteil gesprochen worden ist und Aida dem Geliebten in den Tod folgen will, sterben die beiden nicht einen grausamen Hungertod sondern sie wird sie von Radames im Taufbecken der Religionsgemeinschaft ertränkt. Ist zwar nicht Verdi aber mal was Neues. Das Ganze nicht zum Anschauen. Der amerikanische Regisseur Christopher Alden hat sich in dieser Fehlinterpretation völlig verwirrt , da nutzen auch ein paar Hinweise im Programmheft auf dem 11. September und auf Georg W. Bush nicht. Der geneigte Besucher fragt sich wieder einmal, warum eine Intendantin nicht solchem Regie – Unfug ein Ende zu setzen vermag. Stattdessen doch besser Verdi mit Neuenfels, der uns das Grauen von religiösem Fanatismus und seinen Folgen am Beispiel des Irak – Krieges und genau dort eindrucksvoll dargestellt hätte. Was und hier serviert wurde war verquast ungenießbar. Soviel einhelliges Buh gab es in der Oper an der Bismarckstrasse nur selten. Dafür aber großen Beifall für das Orchester unter Renato Palumbo , den vorzüglichen Chor und ein bemerkenswertes Sängeraufgebot mit bislang wenig bekannten Namen : so immerhin eine hörenswerte Aida.
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