NACH THOMAS BERNHARD: AUSLÖSCHUNG
Uraufführung
Regie: Christiane Pohle
Premiere: 16. September 2006
"Tatsächlich bin ich dabei, die Meinigen auseinander zu nehmen und zu
zersetzen, sie zu vernichten, auszulöschen und nehme mich dabei selbst
auseinander, zersetze mich, vernichte mich, lösche mich aus."
,Die Auslöschung' ist Thomas Bernhards opus magnum, die Summe seines
literarischen Schaffens, sein Vermächtnis. Und um ein solches Erbe geht es
auch in dem Roman: Der in Rom lebende 46-jährige Privatgelehrte und
Schriftsteller Franz-Josef Murau erhält ein Telegramm, in dem ihm der
Unfalltod seiner Eltern und seines Bruders mitgeteilt wird. Eine
Vergangenheit holt ihn ein, mit der er abgeschlossen zu haben glaubte. Murau
macht sich daran, das Erbe seiner Kindheit aufzulösen. Doch je manischer er
an seiner Auslöschung arbeitet, desto mehr beschwört er das Gewesene. Die
Versteigerung des Nachlasses der Muraus ist die szenische Idee, mit der die
Regisseurin Christiane Pohle ihr Projekt beginnt. Doch wie im Roman weitet
sich die Auktion vom Materiellen zum Immateriellen, zu einem Ausverkauf von
überlieferten Werten, von Kultur. Dabei spielt die Musik als die
emotionalste, unmittelbarste aller Künste eine große Rolle. Sie ist das
Vermächtnis, von dem kein Abschied möglich scheint.
NACH MOLIÈRE: TARTUFFE
Regie: Dimiter Gotscheff
Premiere: 27. September 2006
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen
"Der Himmel gab mir Kraft, alles zu dulden."
Durch Frömmigkeit, Freigebigkeit und religiösen Eifer hat Tartuffe das
Vertrauen des reichen Orgon gewonnen und sich in dessen Hause breit gemacht.
Dass Tartuffes Tugendhaftigkeit bloße Maske ist, hinter der sich ein
skrupelloser Betrüger verbirgt, davon will Orgon nichts wissen. Seine
Wertschätzung des Hochstaplers reicht so weit, dass er willens ist, die
Hochzeit seiner Tochter Mariane mit Valère platzen zu lassen. Stattdessen,
so der Plan des tyrannischen Patriarchen, soll Mariane Tartuffe heiraten.
Schlimmer noch: Orgon bietet Tartuffe nicht nur an, ihm sein Vermögen zu
überschreiben, er übergibt ihm auch eine Kassette mit kompromittierenden
Papieren. Seiner Familie droht der Ruin. Erst als Elmire, seine Gattin, ihm
vor Augen führt, dass Tartuffe ihr eindeutige Avancen macht, schlägt Orgons
Verehrung um in Wut. Doch es scheint bereits zu spät: Die Schenkung ist
rechtmäßig, Tartuffe der Besitzer des Hauses und Orgon wegen der Papiere in
Verruf.
HEINER MÜLLER/CHRISTOPHER HAMPTON: GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN
Schauspiel nach dem Roman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos
Regie: Stephan Kimmig
Premiere: 7. Oktober 2006
Koproduktion mit der RuhrTriennale
"Liebe ist etwas, was man benutzt, nicht etwas, dem man verfällt."
Die Marquise de Merteuil und der Vicomte de Valmont lieben das gefährliche,
bösartige Spiel mit Liebe und Begehren. Aus Überdruss, Genusssucht und Gier
nach Macht über die Seelen und Körper anderer Menschen ersinnen sie
ausgeklügelte Versuchsanordnungen, deren zahlreiche Opfer sie amüsieren und
beflügeln. Madame de Volanges, die Cousine von Merteuil, will ihre Tochter
Cécile mit dem Conte de Gercourt verheiraten, der bis vor kurzem der
Liebhaber der Marquise war und sie verlassen hat. Die Marquise sinnt auf
Rache. Schließlich bringt sie den Vicomte de Valmont, ihren ehemaligen
Geliebten, dazu, Cécile zu entjungfern. Valmont, der sich für einen
unwiderstehlichen Verführer hält, fühlt sich zur gleichen Zeit durch die
Tugendhaftigkeit der jungen, wunderschönen Madame de Tourvel
herausgefordert. Aber die ist verheiratet und würde ihren Ehemann nie
betrügen. Das reizt Valmont umso mehr, und er setzt alle seine
Verführungskünste ein - bis er Madame de Tourvel überzeugt hat, dass seine
Liebe echt sei und sie sich ihm hingibt.
NACH CHARLES DICKENS: OLIVER TWIST
Ein Kinder- und Familienstück für Taschendiebe, Hungerleider und
Glückssucher ab 8 Jahren
Regie: Henning Bock
Premiere: 21. Oktober 2006
"Ich will mehr."
Oliver Twist ist Waisenkind in einem Armenhaus, in dem er viel arbeiten muss
und wenig zu essen bekommt. Eines Tages steht er vom Tisch auf und verlangt
mehr. Zur Strafe wird er an einen Leichenbestatter verkauft. Oliver läuft
weg, nach London, wo er seltsame Freunde findet. Ein junger Trickdieb namens
Schlitzohr bringt ihn zu dem Diebeskönig Fagin. Der will Oliver zum
Meisterdieb ausbilden und übt mit ihm den Schnupftuchklau. Doch was im Spiel
wunderbar klappt, hat schwere Folgen in der Wirklichkeit. Bei einem
Diebstahlversuch, bei dem Oliver Schmiere steht, wird er von der wütenden
Menge gejagt. Doch der Bestohlene, ein gewisser Mr. Brownlow, entpuppt sich
als freundlicher Herr und nimmt Oliver mit zu sich nach Hause. Jetzt könnte
alles gut werden. Doch so schnell gibt Fagin nicht auf. Er schickt seine
Meisterschülerin Nancy aus, um Oliver zurückzuholen. Das Thalia Theater
zeigt die Geschichte eines Jungen zwischen zwei Welten auf der Suche danach,
wo er hingehört.
KÖNIGINNENDRAMA VON ELFRIEDE JELINEK: ULRIKE MARIA STUART
Uraufführung
Regie: Nicolas Stemann
Premiere: 28. Oktober 2006
"Denn sie sind außer sich und in sich niemals anzutreffen, es ist völlig
sinnlos, wenn Sie klingeln, glauben Sie es mir, die hören Sie nicht!"
Elfriede Jelinek schickt Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in den Ring ihres
neuen Stückes. Das, was ist, erscheint beiden falsch, also lassen sie alles
zurück. Sie erkämpfen sich Bindungslosigkeit, um sich erneut zu binden. Die
eine wird der Kopf, die andere der Arm ihres Kampfes sein. Verhandelt wird
die Zeit danach. Jelinek assoziiert Stammheim, das Stuttgarter Gefängnis, in
dem die RAF-Mitglieder schließlich isoliert voneinander einsitzen und auf
ihren Prozess warten. Im Zentrum aber steht das Drama der rivalisierenden
Königinnen - die auch die Schillersche Maria und Elisabeth sein könnten. Es
geht um Macht und weibliche Authentizität. Es geht um Wahn und Einsichten.
Und auch ein Mann fehlt nicht, den beide begehren. ,Ulrike Maria Stuart'
wäre kein Jelinek-Stück, lägen den Figuren nicht sich widerstrebende
Identitäten und Idiome auf den Zungen. Sie sollen uns fremd erscheinen, um
uns näher zu kommen. Jenseits der Mythen reaktiviert Jelinek das
Beunruhigende der Geschichte. Sie würde das Repolitisierung nennen. Eine
Verstörung ist es allemal.
TENNESSEE WILLIAMS: DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH
Regie: Alize Zandwijk
Premiere: 11. November 2006
"Wir leben nicht zusammen. Wir hausen im selben Käfig."
Big Daddy feiert seinen Geburtstag und ihm zu Ehren erscheint die ganze
Familie. Dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, wird verschwiegen - vor
allem vor ihm selbst. Hinter seinem Rücken entbrennt der Streit ums Erbe.
Sein Sohn Gooper, voran seine Frau Mae mit fünf Kindern, versucht lautstark
seinen Anspruch auf das Elternhaus geltend zu machen. Brick, dessen Bruder,
sucht Trost im Alkohol. Seit dem Tod eines Jugendfreundes hat er angefangen
zu trinken. Doch er ist Big Daddys Lieblingssohn, den dieser nicht so
einfach aufgeben will, und auch Margaret, die "Katze auf dem heißen
Blechdach", will ihren Mann nicht verlieren. Gegen Lügen, Heuchelei und
Selbstbetrug zieht sie in einen Kampf, der von Anbeginn verloren scheint.
Auf der einen Seite ein maroder, scheinheiliger Familienzusammenhang, auf
der anderen Seite verzweifelte Leidenschaften und unerfüllbare Träume -
Tennessee Williams zeichnet das erschreckende Psychogramm einer
Gesellschaft, die den Bezug zu sich selbst und zur Realität längst verloren
hat. Er erhielt für ,Die Katze auf dem heißen Blechdach' seinen zweiten
Pulitzer-Preis.
FRANZ WITTENBRINK: VATERTAG
Eine musikalische Reise in die Verzweiflung
Konzeption, Regie und Musikalische Leitung: Franz Wittenbrink
Premiere: 29. Dezember 2006
Es dürfte nicht viele Hamburger Theatergänger geben, die noch nie in einem
Liederabend von Franz Wittenbrink waren. Während der Ära von Frank Baumbauer
am Hamburger Schauspielhaus entstanden die Wittenbrink-Kultaufführungen
"Sekretärinnen" und "Männer!" - Liederabende, die an vielen anderen Bühnen
landauf, landab nachgespielt wurden. Dabei täuscht die eher bescheidene
Gattungsbezeichnung leicht darüber hinweg, dass es sich bei diesen
"Liederabenden" um weitaus mehr handelt als nur um eine Aneinanderreihung
schöner, schräger, trauriger und komischer musikalischer Nummern. Franz
Wittenbrink hat mit seinen Liederabenden ein neues Genre kreiert, denn er
erzählt Geschichten mit und durch Musik. Das ist bei seiner Biographie nicht
weiter verwunderlich. Wittenbrink ist kein Komponist aus dem Elfenbeinturm.
Mit neun Jahren kam er ins Musikinternat der Regensburger Domspatzen. Dann
folgte eine wilde 68er Laufbahn: Mitbegründer des KBW (Kommunistischer Bund
Westdeutschlands), Müllfahrer, Fernfahrer, Maschinenschlosserlehrling und
Offsetdrucker. Erst mit über dreißig Jahren kehrte er zur Musik zurück,
besonders zur Schauspielmusik, als einer, der Geschichten vom Leben erzählen
kann.
ARTHUR MILLER: HEXENJAGD
Premiere: 20. Januar 2007
"Dies ist eine strenge Zeit, eine genaue Zeit. Dank Gottes Gnade scheint
jetzt hell die Sonne, und die, die das Licht nicht fürchten, werden ihn
sicherlich preisen. Ich hoffe, Sie sind einer von ihnen."
Salem, eine puritanische Kleinstadt in Massachusetts /USA, wird im Jahre
1692 zu einem Ort des Schreckens. Ausgelöst durch ein paar junge Mädchen,
die nachts um ein Feuer tanzen und unverständliche Lieder singen, nimmt
beinahe die ganze Bevölkerung an einer irrwitzigen Hexenjagd teil. Die
Mädchen, die auf ihre Entdeckung und die damit verbundenen Drohungen voller
Angst und Hysterie reagieren, behaupten, dem Teufel begegnet zu sein.
Treibende Kraft ist die junge Abigail, die mit ihrem Dienstherren Proctor
ein Verhältnis hatte, und nun versucht, ihn durch die Beseitigung seiner
Ehefrau ganz für sich zu gewinnen. Zugleich nimmt sie so Rache an der
Dorfgemeinschaft, von der sie sich ausgestoßen fühlt. In der bigotten
Gemeinde finden Denunziation und Heuchelei einen nahrhaften Boden; aus
Furcht und Hysterie, aus Egoismus und Fanatismus werden zahlreiche Menschen
der Hexerei bezichtigt. Am Ende sind Hunderte verhaftet, Dutzende gehängt.
FRIEDRICH SCHILLER: MARIA STUART
Regie: Stephan Kimmig
Premiere: 24. Februar 2007
"Was man scheint, hat jedermann zum Richter; was man ist, hat keinen."
Beschuldigt, ihren Gatten ermordet zu haben, wird die schottische Königin
Maria Stuart von dem protestantisch gesinnten Adel ihres Landes vertrieben
und flieht, um Schutz zu suchen, nach England. Dort wird die Katholikin
unter dem Vorwand, als Rivalin mit legitimem Anspruch auf den englischen
Thron einen Anschlag auf Elisabeth I. arrangiert zu haben, gefangen genommen
und zum Tod verurteilt. Es formieren sich verschiedene Parteien, um Maria
Stuart vor der Guillotine zu bewahren oder um so bald wie möglich ihre
Hinrichtung zu erreichen. Immer wieder neu aufkeimende Hoffnungen auf ein
glückliches Ende zerschlagen sich. Schiller erfand abweichend von der
Historie ein dramatisches Treffen der beiden Königinnen. Diese Begegnung,
von der sich Maria ihre Freiheit erhofft, besiegelt ihren Untergang: Von
Elisabeth als Frau gedemütigt, bezeichnet sie ihre Konkurrentin als Bastard.
Erotik, Politik und Religion kulminieren in einem hochexplosiven Gemisch,
das zu Marias Tod führt.
BERTOLT BRECHT: HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI
Regie: Michael Thalheimer
Premiere: 10. März 2007
"Dir kommt's nur darauf an, dass du Arbeit hast, ich muss sie
einem nützlichen Ziel zuleiten."
Nüchtern ist der finnische Gutsbesitzer Puntila ein Ausbeuter, betrunken
wird er human. Seinem Chauffeur Matti vertraut er die Angst vor seinen
Stimmungsumschwüngen genauso an wie seinen Kummer darüber, dass ihn die
bevorstehende Hochzeit seiner Tochter Eva ein Waldgrundstück als Mitgift
kosten soll. Seiner Tochter rät der betrunkene Puntila von der Heirat mit
dem Attaché, einem blutleeren Schwächling, ab. Eva hat längst ein Auge auf
Matti geworfen. Es kommt ihr sehr entgegen, als Puntila ihr eine Hochzeit
mit "seinem Freund" ans Herz legt. Matti, der die Wechselbäder seines Herrn
immer wieder ertragen muss, glaubt dagegen, dass die unterschiedliche
Klassenzugehörigkeit ein unüberwindbares Problem darstellt. Eva wird einer
Eheprüfung unterzogen: Für die Ehe mit dem Knecht taugt sie nicht. Puntila
will nun dem Alkohol abschwören und beseitigt in einem Exzess sämtliche
Alkoholvorräte. Volltrunken verspricht er dem Knecht, ihm die Hälfte seines
Waldes zu überschreiben. Matti hat die Nase voll. Er weiß zu gut, dass sein
Herr, wieder nüchtern, alles in Bewegung setzen wird, um die Schenkung
rückgängig zu machen. Er verlässt den Hof.
INGMAR BERGMAN: AUS DEM LEBEN DER MARIONETTEN
Uraufführung
Regie: Andreas Kriegenburg
Premiere: April 2007
"Es gibt etwas Bedrohliches, über das wir nicht reden, weil uns die Worte
fehlen."
Der wohlhabende Ingenieur Peter Egerman tötet in einer Peep-Show eine
Prostituierte und vergeht sich an ihr. Anschließend ruft er seinen
Psychiater herbei. Ehefrau Katarina, Freunde und Verwandte stehen vor einem
Rätsel. War das Verbrechen eine Kurzschlussreaktion? Oder die lange geplante
Tat eines Psychopathen? Bei der Suche nach den Gründen des Dramas tritt ein
Beziehungsgeflecht zutage, in das alle Figuren schuldhaft verstrickt sind.
Mit seinem 1980 verfilmten Stoff erzählt Ingmar Bergman, der große
Psychologe des europäischen Kinos, die Geschichte eines Mörders aus der
Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Und legt in deren Mechanismen eine
quälend-schwelende Mixtur frei aus Einsamkeit, Lebensüberdruss,
alptraumhaften Angstphantasien und einer Sehnsucht nach wahrhaftiger Nähe,
die den tatsächlichen Verhältnissen gegenüber immer unangemessen zu sein
scheint und die sich doch nicht verneinen lässt.
Aktuelle Produktionen
www.thalia-theater.de
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